Und dann erspähte er hinten im Garten die alte Frau, welche beim
Kartoffelaufnehmen beschäftigt war, und näherte sich ihr.

Nachdem sie sich bei seinem Anblick aus ihrer gebückten Stellung erhoben, die erdigen Hände an der Arbeitsschürze abgewischt und ihn freundlich begrüßt hatte, sagte Graf Dehn, gleich ohne Einleitung aufs Ziel steuernd:

"Ich komme mit einer Frage, gute Frau Madsen: Können Sie mir vielleicht sagen, wie des Herrn Doktor Prestös Braut heißt? Sie haben gewiß bisweilen Briefe nach dem Postkasten am Wirtshaus unten im Dorf getragen und kennen ihren Namen—"

"Seine Braut? Ja, das weiß ich nicht. Aber er schreibt allerdings ab und zu an ein Fräulein. Sie heißt—sie heißt—Ingeborg Jensen."

"Hm—Danke! Und die Adresse? Es handelt sich um eine kleine
Ueberraschung vom Schloß, deshalb frage ich bloß—"

"Adresse? Adresse? Ja, da kann ich mich allerdings nicht darauf besinnen. Aber sie wohnt bei einen Etatsrat Estrup in Kopenhagen. Das steht mit drauf."

"So, so, schön! Das genügt, meine gute Frau Madsen. Und sagen Sie dem Doktor gar nicht, daß ich gefragt habe, daß ich hier war! Es ist wegen der Ueberraschung. Sie verstehen?"

Und die Alte nickte, und nachdem ihr Axel ein Geldstück in die Hand gedrückt und sie noch einiges über den Gesundheitszustand im Dorf gefragt hatte, nahm er Abschied.

Als er die Straße hinabschritt, klopfte ihm ungestüm das Herz, und als er wieder in sein Zimmer gelangt war, schrieb er zur Sicherheit sogleich auf, was er erkundet hatte. Bei dieser Beschäftigung kam ihm auch die Erinnerung an die Briefschaften, die er dem Postboten abgenommen, und dabei zugleich, daß er nun doch vergessen hatte, die für Prestö bestimmten Eingänge an die Alte abzuliefern.

Er zog eilig alles aus der Tasche, legte die Briefschaften für Lavards für sich und schob das mit einem Bindfaden verknüpfte Bündel Zeitungen für Prestö bei Seite. Bei dieser Gelegenheit zeigte sich, daß auch Briefe vorhanden waren, und als Graf Dehn solche zur besseren Bergung berührte, sah er, daß auf der Rückseite der Name Ingeborg Jensen als Absenderin vermerkt war.