"Also eine Hinterthür läßt er sich doch offen! Wahrlich, Sie handeln lediglich in Komtesse Imgjors Interesse, wenn Sie, ihr jeden Vermögensanspruch verweigern zu wollen, vorgeben, Herr Graf—" hier wandte sich Axel an den Hausherrn. "Ich möchte jetzt beinahe einen Eid darauf ablegen, daß Prestö selbst zurücktritt."

* * * * *

Im Rankholmer Schloß lagen, wie früher erwähnt, die dem täglichen
Gebrauch dienenden Gesellschaftsgemächer nach der Parkseite hinaus. Im
Flügel zur Linken, wo im Zwischenturm Imgjor wohnte, dehnten sich die
Festräume, und im Flügel rechts, ebenfalls mit dem Ausblick nach
Kneedeholm, befanden sich die Privatzimmer des Grafen.

Als Lucile in der Absicht, Imgjor die Briefe von Prestös Braut einzuhändigen, vor dem Abendessen aus ihrem Zimmer trat, gab ihr der ihr begegnende Frederik auf ihre Frage, ob sich die Komtesse auf ihrem Zimmer befinde, die Antwort, daß sie nach Tisch das Schloß verlassen habe und noch nicht zurückgekehrt sei. Aber während Lucile nach Frederiks Entfernung noch unschlüssig dastand, tauchte gerade Imgjor, welche die Haupttreppe von der Schloßhofseite her emporgestiegen war, auf dem Flur auf. Sie begrüßte Lucile durch eine kurze Verneigung des Kopfes, wandte sich dann aber sogleich, ohne Anrede, dem Korridor zu.

"Ich möchte dich gern sprechen, Imgjor!" hub Lucile, sich Imgjor nähernd, an.

"Wenn's dir genehm ist, treten wir in mein Zimmer—Ich bitte—!"

"Was ist denn?" fiel ihr Imgjor in einem müden Ton in die Rede. "Willst du mich auch belehren, Lucile? Es ist besser, du stehst davon ab! Ich kann dir und euch allen jetzt keine Antwort erteilen. Jedes Sprechen ist nutzlos. Heute werde ich Prestö sehen, und von dem Ausfall seiner Erklärungen ist die abhängig, welche ich euch geben werde."—Und dann in einem veränderten Ton: "Ach—glaube mir, Lucile—ich leide! Ich nehme die Dinge nicht leicht, ich bestehe einen schweren Kampf. Aber ich kann doch nicht anders!"

Und dann brach sie in ein stilles Weinen aus—auch lehnte sie sich plötzlich—des Ortes nicht achtend—an Luciles Brust.

"Komm, Imgjor, meine Imgjor! Nicht hier! Tritt zu mir herein! Wir wollen dort weitem reden. Ah—ah—wie du fassungslos bist! Arme, liebe Seele!"

Unter solchem Zuspruch zog Lucile Imgjor ins Wohngemach, hieß sie dort sich ans Fenster setzen, rückte gleichfalls einen Stuhl herbei, ergriff der noch immer heftig Schluchzenden Hände, hielt sie fest und sah ihr liebevoll in die Augen.