Nach diesen Worten zog er sich überhastig zurück und verwischte dadurch wieder den ihm bisher so gut gelungenen Eindruck.

Während Tankred die zwei Flaschen Aßmannshäuser wieder ergriff, murmelte er:

„Da ist was nicht richtig! Er wollte hinauf. Sie hatte ihn bestellt.
Aber ich will der Sache schon auf die Spur kommen!“

Dann eilte er mit hämischem Ausdruck in den Mienen die Treppe hinauf, und oben schalt er Peter, den Diener, daß er ganz unnötig so viele Lichter angesteckt habe:

„Immer wird darauf losgewirtschaftet. Ich sagte Ihnen doch, nur die kleine Flur- und Treppenlampe, nicht die Wandlichter anzuzünden.“

„So, dann habe ich den gnädigen Herrn nicht recht verstanden. Bei den
Herrschaften mußte ich immer alles anstecken.“

„Ja, ja, die Herrschaften,“ entgegnete Tankred, in unzarter Weise seine Schwiegereltern preisgebend, „die hatten's wegzuwerfen! Also, vorwärts, löschen Sie die Lichter aus, und dann stellen Sie die Flaschen, ohne sie zu reinigen, — hören Sie? ohne sie zu reinigen, — ins Anrichtezimmer!“

Inzwischen wanderte Hederich, sehr benommen von der Begegnung, in seine
Wohnung zurück. Er fand keinen Weg, Tressens über die Gründe seines
Nichterscheinens zu verständigen, noch weniger hielt er es für
möglich — und wenn doch etwa für möglich, nicht für rathsam, an diesem
Abend noch einen zweiten Versuch zu machen, zu ihnen zu gelangen.
Wenigstens wollte er das vorher noch überlegen. Auch wenn er einen der
Knechte mit einem Briefe die Hintertreppe hinaufsandte, konnte abermals
der Zufall sein Spiel treiben. Überhaupt war er gegen jede schriftliche
Äußerung.

Es beschäftigte ihn zu alledem, daß er zu einer Lüge seine Zuflucht genommen hatte. Seit seinen Jünglingsjahren war mit Bewußtsein kein unwahres Wort über seine Lippen gekommen.

Aber das war die Folge solcher Verhältnisse. Immer ungemütlicher wurde es in Holzwerder, und Hederich sah noch weit Schlimmeres herannahen. Während er, so nachdenkend, dasaß und aus der Pfeife die Rauchwolken herausblies, — fast ein Stündchen mochte vergangen sein, — hörte er auf dem kleinen Hausflur die Klingel gehen, und gleich darauf vernahm er Peter, den Diener, und seine Haushälterin Worte wechseln.