Und dann, während er noch nachdachte, kam's jäh wie ein Blitz über ihn, daß es schon am besten wäre, wenn's keinen Streckwitz auf der Welt gäbe, wenn, wenn — auch Theonie nicht mehr auf Erden sei! Dann war er Erbe des Ganzen!

Die Furie Habsucht packte ihn mit solcher Gewalt, so unvermittelt und heftig war ihr Angriff auf seine Seele, daß ihm die Kniee bebten, und in dem Drange nach Ablösung von dem furchtbaren Gedanken sich unwillkürlich ein schwerer Seufzer aus seiner Brust wand, und seine Augen sich schlossen.

Grete erhob überrascht das Haupt.

„Was hast Du? Ist Dir nicht wohl?“ fragte sie betroffen.

„Doch — doch. — Mich fröstelte nur ein wenig.“ Und dann: „Sag, Grete, wie wär's, wenn Du mit Hederich sprächest, daß er Theonie sondierte? Dir schlägt er nichts ab, im Gegenteil —“

Die Frau aber schüttelte den Kopf. Sie wollte in dieser Sache Hederich nicht ins Vertrauen ziehen, ihr Inneres sträubte sich dagegen, grade ihm die Blößen ihrer Seele aufzudecken. Sie war eifrig bedacht, sich die gute Meinung, die er noch von ihr hatte, zu erhalten.

So sagte sie denn, auch ihrer besseren Einsicht folgend und sie vorschiebend:

„Nein, das ist nichts. Wo man selbst reden kann, soll man sich keines Vermittlers bedienen. Und in delikaten Dingen sind zwei Ohren mehr immer zu viel. Wenn Hederich von unseren Absichten unterrichtet wird, weiß auch Carin sie, und Carin bespricht alles mit der Pastorin, die ihren Mund nie halten kann. Du mußt mit Theonie ohne Zeugen reden; sie ist — das muß man ihr rühmend nachsagen — die personifizierte Diskretion.“

Tankred stimmte eifrig bei. Ja, seine Frau hatte, wie immer, recht; er beschloß auch, gleich zu handeln und alle Künste aufzuwenden, um seinen Zweck zu erreichen. Noch hatte sicher Streckwitz keinen Einfluß auf Theonie gewonnen. Je länger er aber zögerte, um so ungünstiger wurden seine Ansichten.

Gleich nach Tisch ließ er sein Reitpferd satteln, hörte noch einmal alles, was Grete ihm sagte, an und machte sich dann nach Falsterhof auf den Weg.