Zuletzt stand das Tier auf einen einzigen Ruck schaumbedeckt, zitternd und bebend, der übermenschlichen Gewalt sich bedingungslos fügend, da.
„Herrlich! Wundervoll!“ riefen Frau von Tressen und Grete, als Tankred abgestiegen war und sich ihnen näherte.
Auch Hederich war ganz hin.
„Drum und dran, das ist ein Stück, wie ich es noch nicht gesehen habe. Alle Achtung, Herr von Brecken,“ stieß er heraus und bewegte in unbeschränkter Bewunderung den Kopf.
Tankred aber wandte das Auge zu Grete, und sie sah ihn mit einem Blicke an, der mehr sprach als alle Worte.
Dann aber trat an Tankred etwas anderes, weit schwereres heran. Herr von Tressen zog ihn vor dem Abendessen in sein Arbeitszimmer. Tankred wußte, daß nun das Schriftstück von Theonie zur Sprache kommen werde.
Noch war er nicht so verdorben, daß er der Vorlage des gefälschten Dokuments mit völliger Ruhe entgegen gesehen hätte; bisher hatte er gelogen und betrogen, auch sich Vorteile zu verschaffen gewußt, die seinen Brotherrn geschädigt hatten, aber doch nicht als direkter Diebstahl anzusehen waren. Aber vor Fälschungen war er bisher doch zurückgeschreckt! Nun beschritt er einen Weg, der ihn bei Entdeckung jeden Augenblick mit der Staatsgewalt in Berührung bringen konnte, und so peinigte ihn außer dem Rest von Ehrgefühl, das noch in ihm war, auch — die Furcht. Er sagte sich wie schon früher, daß er nicht dazu veranlagt sei, die Folgen eines Verbrechens auf sich zu nehmen, daß er nicht die mit der vollkommenen Verderbtheit verbundene und für sie erforderliche Seelenruhe besitze: und doch beschwichtigte er sich. Wenn das Schriftstück nicht in Tressens Händen blieb, wer konnte ihm dann etwas nachweisen? Er würde im Fall mit kühner Stirn leugnen und Tressen der falschen Verdächtigung zeihen. So zog er denn, sobald das Gespräch dazu Anlaß bot, das von ihm mitgenommene Papier hervor und überreichte es Gretes Vater mit voller Unbefangenheit.
Tankred beobachtete des Lesenden Züge. Ohne Zweifel; er hatte seine Sache gut gemacht! Tressen bewegte nach genommener Einsicht mit deutlicher Befriedigung den Kopf und legte, Tankreds geschickt abgefaßtem Kommentar ebenfalls mit größter Genugthuung zuhörend, das Papier neben sich auf den Tisch.
Er schien das Schriftstück einstweilen behalten zu wollen, aber Tankred ließ seinen Zweck nicht aus dem Auge. „Der letzte Passus“ — schob er in seine Rede ein, nahm die gefälschte Akte an sich und entfaltete sie, „bedarf auch nach anderer Richtung hin noch einer Erklärung. Gestatten Sie. Es heißt da — —“
Nun las er vor, und nachdem er zu Ende gelesen, ließ er das Papier, nachdem er es noch eine Weile in den Händen gehalten, gleichsam unwillkürlich in seine Brusttasche zurückgleiten.