„Das sind fünfundsechzig Pfennig,“ sagte er und sah mich an.

„Ja,“ sagte ich schüchtern. „Das ist alles, was ich habe, es ist zu wenig, ich weiß wohl. Aber es ist alles. Ich habe nicht mehr.“

„Ich hätte dich für gescheiter gehalten,“ schalt er mit einem beinah milden Tadel. „Unter Ehrenmännern soll Ordnung sein. Ich will dir nichts abnehmen, was nicht recht ist, das weißt du. Nimm deine Nickel wieder, da! Der andere — du weißt, wer — versucht nicht, mich herunter zu handeln. Der zahlt.“

„Aber ich habe und habe nicht mehr! Es war meine Sparkasse.“

„Das ist deine Sache. Aber ich will dich nicht unglücklich machen. Du bist mir noch eine Mark und fünfunddreißig Pfennig schuldig. Wann krieg’ ich die?“

„O, du kriegst sie gewiß, Kromer! Ich weiß jetzt nicht — vielleicht habe ich bald mehr, morgen, oder übermorgen. Du begreifst doch, daß ich es meinem Vater nicht sagen kann.“

„Das geht mich nichts an. Ich bin nicht so, daß ich dir schaden will. Ich könnte ja mein Geld noch vor Mittag haben, siehst du, und ich bin arm. Du hast schöne Kleider an, und du kriegst was Besseres zu Mittag zu essen als ich. Aber ich will nichts sagen. Ich will meinetwegen ein wenig warten. Übermorgen pfeife ich dir, am Nachmittag, dann bringst du es in Ordnung. Du kennst meinen Pfiff?“

Er pfiff ihn mir vor, ich hatte ihn oft gehört.

„Ja,“ sagte ich, „ich weiß.“

Er ging weg, als gehörte ich nicht zu ihm. Es war ein Geschäft zwischen uns gewesen, weiter nichts.