„Ja, ja. Ich bin jetzt seit zwei Jahren enthaltsam, seit ich von der Lehre weiß. Vorher habe ich ein Laster getrieben, du weißt schon. — Du bist also nie bei einem Weib gewesen?“
„Nein,“ sagte ich. „Ich habe die Richtige nicht gefunden.“
„Aber wenn du die fändest, von der du meinst, sie sei die Richtige, dann würdest du mit ihr schlafen?“
„Ja, natürlich. — Wenn sie nichts dagegen hat,“ sagte ich mit etwas Spott.
„O da bist du aber auf dem falschen Weg! Die inneren Kräfte kann man nur ausbilden, wenn man völlig enthaltsam bleibt. Ich habe es getan, zwei Jahre lang. Zwei Jahre und etwas mehr als einen Monat! Es ist so schwer! Manchmal kann ich es kaum mehr aushalten.“
„Höre, Knauer, ich glaube nicht, daß die Enthaltsamkeit so furchtbar wichtig ist.“
„Ich weiß,“ wehrte er ab, „das sagen alle. Aber von dir habe ich es nicht erwartet. Wer den höheren geistigen Weg gehen will, der muß rein bleiben, unbedingt!“
„Ja, dann tu es! Aber ich begreife nicht, warum einer ‚reiner‘ sein soll, der sein Geschlecht unterdrückt, als irgendein anderer. Oder kannst du das Geschlechtliche auch aus allen Gedanken und Träumen ausschalten?“
Er sah mich verzweifelt an.
„Nein, eben nicht! Herrgott, und doch muß es sein. Ich habe in der Nacht Träume, die ich nicht einmal mir selber erzählen könnte! Furchtbare Träume, du!“