Am nächsten Tage hatte Gustav Becker mein Geheimnis schon heraus.

„Mach doch keine Redensarten,“ sagte er, „du bist ja einfach in die Lampart verschossen. Das Unglück ist ja nicht so groß. Du bist in dem Alter, daß dir dergleichen ohne Zweifel noch öfter passieren wird.“

Mein Stolz regte sich schon wieder mächtig.

„Nein, mein Lieber,“ sagte ich, „da hast du mich doch unterschätzt. Über so knabenhafte Liebeleien sind wir hinaus. Ich hab’ mir alles wohl überlegt und finde, ich könnte gar keine bessere Heirat tun.“

„Heiraten?“ lachte Becker. „Junge, du bist reizend.“

Da wurde ich ernstlich zornig, lief aber doch nicht fort, sondern ließ mich darauf ein, dem Verwalter meine Gedanken und Pläne in dieser Sache weitläufig zu erzählen.

„Du vergißt eine Hauptsache,“ sagte er dann ernsthaft und nachdrücklich. „Die Lamparts sind nichts für dich, das sind Leute von einem schweren Kaliber. Verlieben kann man sich ja in wen man will, aber heiraten darf man nur jemand, mit dem man nachher auch fertig werden und Tempo einhalten kann. Du bist ja ein ordentlicher Kerl, aber die Lamparts sind aus einem ganz andern Stoff. Die reden wenig und haben dafür eine Wucht nach innen, die du gar nicht verstehst.“

Da ich Gesichter schnitt und ihn heftig unterbrechen wollte, lachte er plötzlich wieder und meinte: „Na, dann tummle dich, mein Sohn, und auch viel Glück dazu!“

Von da an sprach ich eine Zeitlang oft mit ihm darüber. Da er selten von der Sommerarbeit abkommen konnte, führten wir fast alle diese Gespräche unterwegs im Felde oder in Stall und Scheuer. Und je mehr ich redete, desto klarer und abgerundeter stand die ganze Sache vor mir, und es wundert mich nachträglich, daß ich nicht noch andre Leute in’s Vertrauen zog.

Nur wenn ich in der Marmorsäge saß, fühlte ich mich bedrückt und merkte wieder, wie weit ich noch vom Ziele war. Das Mädchen war stets von derselben freundlich stillen Art, mit einem Anflug von Männlichkeit, der mir köstlich schien und mich doch schüchtern machte.