Als ich eintrat, schrie Helene auf und sah mich tief verwundet an.
„Warum?“ stöhnte sie. „Warum noch einmal?“
Ich war ratlos und beschämt und bin mir nie so jämmerlich vorgekommen wie da. Die Tür hatte ich noch in der Hand, aber es ließ mich nicht fort, so ging ich langsam zu ihr hin, die mich mit angstvollen, leidenden Blicken ansah.
„Verzeih, Helene,“ sagte ich nun.
Sie nickte viele Mal, blickte zu Boden und wieder auf, wiederholte immer: „Warum? O du! O du!“ In Gesicht und Gebärden schien sie älter und reifer und mächtiger geworden zu sein, ich erschien mir daneben fast wie ein Knabe.
„Nun, also?“ fragte sie schließlich und versuchte zu lächeln.
„Sag mir noch etwas,“ bat ich beklommen, „damit ich gehen kann.“
Ihr Gesicht zuckte, ich glaubte, sie würde jetzt in Tränen ausbrechen. Aber da lächelte sie unversehens, ich kann nicht sagen wie weich und aus Qualen heraus, und richtete sich auf und sagte ganz flüsternd: „Komm doch, warum stehst du so steif da!“ Und ich tat einen Schritt und nahm sie in die Arme. Wir hielten uns mit allen Kräften umklammert, und während bei mir die Lust sich immer mehr mit Bangigkeit und Schrecken und verhaltenem Schluchzen mischte, wurde sie zusehends heiter, streichelte mich wie ein Kind, nannte mich mit phantastischen Kosenamen, biß mich in die Hand und war erfinderisch in kleinen Liebestorheiten. In mir kämpfte ein tiefes Angstgefühl gegen die treibende Leidenschaft, ich fand keine Worte und hielt Helene an mich gezogen, während sie mich mutwillig und schließlich lachend liebkoste und neckte.
„Sei doch ein bißchen froh, du Eiszapfen!“ rief sie mir zu und zog mich am Schnurrbart.
Und ich fragte ängstlich: „Ja, glaubst du jetzt, daß es doch noch gut wird? Wenn du doch nicht mir gehören kannst —“