„So, und was dann?“
„Dann — dann weiß ich gar nicht, was ich getan hätte. Vielleicht wär’ ich ins Wasser gesprungen.“
„O je, ’s wär’ schad um die Haut, sie hätt’ können naß werden.“
„Ja, Ihnen wär’s natürlich nur zum Lachen gewesen.“
„Das doch nicht. Aber Sie reden auch ein Zeug, daß man ganz sturm im Kopf könnt’ werden. Geben Sie obacht, sonst auf einmal glaub’ ich’s Ihnen.“
„Das dürfen Sie auch tun, ich mein’ es nicht anders.“
Hier wurde er von der herben Stimme der Gret übertönt. Sie erzählte schrill und klagend eine lange Schreckensgeschichte von einer bösen Herrschaft, die eine Magd erbärmlich behandelt und gespeist und dann, nachdem sie krank geworden war, ohne Sang und Klang entlassen hatte. Und kaum war sie mit dem Erzählen fertig, so fiel der Chor der andern laut und heftig ein, bis die Babett zum Frieden mahnte. Im Eifer der Debatte hatte Tines nächste Nachbarin dieser den Arm um die Hüfte gelegt und Karl Bauer merkte, daß er einstweilen auf eine Fortführung des Zwiegespräches verzichten müsse.
Er kam auch zu keiner neuen Annäherung, harrte aber wartend aus, bis nach nahezu zwei Stunden die Margret das Zeichen zum Aufbruch gab. Es war schon dämmerig und kühl geworden. Er sagte kurz adieu und lief eilig davon.
Als eine Viertelstunde später die Tine sich in der Nähe ihres Hauses von der letzten Begleiterin verabschiedet hatte und die kleine Strecke vollends allein ging, trat plötzlich hinter einem schönen alten Ahornbaume hervor der Lateinschüler ihr in den Weg und grüßte sie mit schüchterner Höflichkeit. Sie erschrak ein wenig und sah ihn beinahe zornig an.
„Was wollen Sie denn, Sie?“