„Mein Schatz! Was heißt jetzt das wieder! Sag das einmal der Babett oder deinem Vater daheim, oder deinem Lehrer! Ich hab’ dich ja ganz gern und will nicht unrecht mit dir sein, aber eh’ du mein Schatz sein könntest, da müßtest du vorher dein eigner Herr sein und dein eignes Brot essen, und bis dahin ist’s doch noch recht lang. Einstweilen bist du einfach ein verliebter Schulbub, und wenn ich’s nicht gut mit dir meinte, würd’ ich gar nimmer mit dir drüber reden. Deswegen brauchst du aber nicht den Kopf zu hängen, das bessert nichts.“

„Was soll ich dann tun? Hast du mich nicht gern?“

„O Kleiner! Davon ist doch nicht die Rede. Nur vernünftig sein sollst du und nicht Sachen verlangen, die man in deinem Alter noch nicht haben kann. Wir wollen gute Freunde sein und einmal abwarten, mit der Zeit kommt schon alles, wie es soll.“

„Meinst du? Ja, du mußt’s wissen. Aber du, etwas hab’ ich doch sagen wollen —“

„Und was?“

„Ja, sieh — nämlich — —“

„Red’ doch!“

„— ob du mir nicht auch einmal einen Kuß geben willst.“

Sie betrachtete sein rotgewordenes, unsicher fragendes Gesicht und seinen knabenhaften, hübschen Mund, und einen Augenblick schien es ihr nahezu erlaubt, ihm den Willen zu tun. Dann schalt sie sich aber sogleich und schüttelte streng den blonden Kopf.

„Einen Kuß? Für was denn?“