Wie vermöchte ich zu sagen, was mein kindgewordenes Herz nun erfüllt, was mein Blut so milde erwärmt und mein Auge so offen, still und glänzend macht! Erfüllt und eins mit dem Licht der Sonne und des stillen Feldes kehrt mir Auge und Herz unter die Brüder meiner Kindheit zurück, zu dem wogenden Feld, zu dem reinen Himmel, zu den geschwisterlichen Bäumen, Bächen und Winden.
Ich grüsse euch, Brüder und Schwestern! Verzeihet, was in der Fremde geschehen ist! Ich war lange Zeit krank, mein Ohr und Auge reichte nimmer zu euch, mein innerster Grund war mir fremd geworden. Das in mir, was von Ewigkeit und Muttergeschenk ist, war in Ketten gelegt, sein schweres Atmen reichte nur in den stillsten Mitternächten noch zu mir herauf. Nun atmet es befreit, und atmet mit meiner Brust, und erschliesst alles in mir der entschleierten Gegenwart.
Du leuchtendes Ährenfeld! Tränkst du mein Auge mit deiner ruhigen Klarheit, oder ist es das Licht meines Glückes, das aus meinem Auge überquellend dich glänzen macht und die Sonne entzündet? Reich und nehmend, bedürftig und austeilend, zweieins, süsser Kern eines ewigen Rätsels, so ist meine Liebe und deine. Wie bin ich befreit von allen Massen und Mittelpunkten! Wo ist noch Anfang oder Ende, wo ist noch Wille und Ziel, oder Ursprung und Brücke?
Du leuchtendes Ährenfeld, bist du nicht ein Bild meiner befreiten Seele? Du und ich, beide in flutender Helle, beide reich an Unaussprechlichem, beide einander beschenkend, und beide sich neigend unter einer süssen Last?
Hergestellt von W. Drugulin in Leipzig im Juni des Jahres 1899.
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden unter Verwendung späterer Ausgaben korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... Meine Arme nnd mein Hals waren von Rudern ...
... Meine Arme [und] mein Hals waren von Rudern ... - ... „Ich weiss, sagte die Schönste, das war deine ...
... „Ich weiss,[“] sagte die Schönste, [„]das war deine ... - ... Nein. Aber die Leier ist Ariosts. Sie lächelte. ...
... [„]Nein. Aber die Leier ist Ariosts.[“] Sie lächelte. ... - ... In den gewundenen Spazierwagen des äusseren ...
... In den gewundenen Spazier[wegen] des äusseren ... - ... sagtest Du: Wenn ich nicht mehr hier sein werde ...
... sagtest Du: [„]Wenn ich nicht mehr hier sein werde ...