„Halt, werter Herr Drehdichum!“ rief ihm der Dichter Lauscher entgegen. „Wie kann ein Philosoph so das Gleichgewicht verlieren? Kehren Sie um, Verehrter, und klagen Sie uns Ihren Schmerz im Kühlen drinnen!“

Mit einem schiefen, spitzen Lauerblick des Mißtrauens hob der Philosoph seinen struppigen Kopf und erkannte die drei jungen Männer.

„Ah, da seid ihr,“ rief er, „das ganze petit cénacle! Eilet ins Innere, Freunde, trinket Bier und erlebet Wunder daselbst; aber verlanget nicht die Teilnahme des gebrochenen Greises, in dessen Herz und Gehirn die Dämonen wühlen!

„Aber, teurer Herr Drehdichum, was fehlt Ihnen denn heute schon wieder?“ fragte teilnehmend Ludwig Ugel, taumelte aber sogleich entsetzt wider die Treppenbrüstung; denn der Philosoph hatte ihm einen Fauststoß in die Seite versetzt und rannte schäumend und fluchend in die Straße.

„Infame Zischelgift,“ brüllte er im Wegeilen, „unglückseliger Talisman, in rotblauer Blume verzaubert! Mißhandelt die Einzige, in Staub getreten . . . Opfer satanischer Bosheit . . . Erneute qualvolle Erinnerung . . .“

Verwundert schüttelten die drei ihre Köpfe, ließen jedoch den Wütenden laufen und schickten sich endlich an, die Vortreppe zu ersteigen, als die Türe sich von neuem öffnete und mit einem ins Haus zurückgewinkten freundlichen Abschiedsgruß der Pfarrvikar Wilhelm Wingolf hervortrat. Er wurde von den Untenstehenden mit Heiterkeit begrüßt und sogleich von allen um die Ursache des seligen Glanzes befragt, der sein breites Würdehaupt vergoldete. Geheimnisvoll streckte er den fetten Zeigefinger auf, nahm den Dichter vertraulich beiseite und sagte ihm schalkisch lächelnd ins Ohr: „Denk’ dir, heute habe ich den ersten Vers in meinem Leben gemacht! Und zwar soeben!“

Der Dichter riß die Augen soweit auf, daß sie oben und unten über die schmalen Ränder seiner goldenen Brille ragten. „Sag ihn!“ rief er laut. Der Pfarrvikar wendete sich gegen die drei Freunde, hob wieder den Zeigefinger und sagte mit selig verkniffenen Augen seinen Vers auf:

Vollkommenheit,

Man sieht dich selten, aber heut!

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, verließ er hutschwenkend die Kameraden.