„Erich, schläfst du?“

Erich antwortete ohne aufzusehen: „Ich schläfe nicht.“

„Man sagt nicht, ich schläfe, man sagt, ich schlafe,“ rief Ugel.

Da aber bewegte sich der Mädchenkopf hinter der Schenkgalerie, und die ganze fremde schöne Person trat hervor und an den Tisch der Freunde.

„Was wünschen die Herren?“

Wem nicht schon, da er vor dem schönen Gemälde einer Frau in seliger Begeisterung stand, plötzlich aus der Landschaft des Bildes heraus die Schöne lebendig entgegentrat, der weiß nicht, wie den Brüdern des Cénacle in diesem Augenblick zumute war. Alle drei erhoben sich von ihren Stühlen und machten drei Verbeugungen, jeder eine. „Schöne, teure Dame!“ sagte der Dichter. „Gnädiges Fräulein!“ sagte Ludwig Ugel, und Karl Hamelt sagte gar nichts.

„Nun, trinken Sie Kulmbacher?“ fragte die Schöne.

„Ja bitte,“ sagte Ludwig, und Karl nickte, Lauscher aber bat um einen Becher Rotwein.

Als die Getränke nun von der leisen, schlanken Mädchenhand elegant serviert wurden, wiederholten sich die verlegenen und ehrerbietigen Komplimente. Da kam aus ihrer Ecke die kleine Frau Müller gelaufen.

„Machen Sie doch nicht solche Umstände, meine Herren,“ sagte sie, „mit dem dummen Ding; sie ist meine Stiefschwester und zum Bedienen hergekommen, weil wir eine Hilfe nötig hatten . . . Geh’ ins Büffet, Lulu; es schickt sich nicht, so bei den Herren stehen zu bleiben.“