„Hab ich dirs nie erzählt?“ sagte er und nahm einen starken Schluck. „Sie war so schön! Sie saß mit mir auf einer grünen Bank im Veilchengarten, die Nachtigall sang zum erstenmal im Jahr. Wir lasen zusammen in einem großen Buch —“

„Halt ein,“ rief ich totblaß, „halt ein oder ich bringe dich um! Das war ja ich, das war ich, der mit Maria auf der grünen Bank saß, und das Buch —“

„Schrei doch nicht so,“ sagte Lauscher und schenkte mein Glas voll.

„Aber Lauscher, sag mir um Gotteswillen —“ flehte ich.

„Bibamus! Dein Wohl!“ lächelte er und stieß an. „Soll ich weiter erzählen? Das Buch enthielt eine schöne Jugendgeschichte und war höchst angenehm zu lesen. Zwischen den Lettern stiegen Maria und ich als kleine arabeskenhafte Figuren durch allerlei Blumenranken auf und ab.

„Maria und ich!“ rief ich aus.

„Nun ja, wie ich sage,“ fuhr Lauscher fort. „Maria aber las unruhig und zerstreut. Und als die Geschichte anfing traurig zu werden, da schlug sie eine ganze Handvoll Blätter um und —“

„Und lief in den Wald, und die Nachtigall sang wieder — o Lauscher!“

„Bibamus,“ sagte Lauscher.

Ich legte den schweren Kopf in beide Hände und hätte am liebsten laut geschluchzt. Als ich nach einer Weile mich erhob, war Lauscher fort. Mit schmerzender Stirne und halb berauscht verließ ich den Keller. Es war kurz vor Lauschers Tod.