Sie nahm ihn in der Dunkelheit bei der Hand und führte ihn um die Hausecke und machte vor einem Fensterchen halt, das mit Holzläden verschlossen war.
»Hinter den Laden legen wir den Schlüssel,« berichtete sie aufgeregt und flüsternd und streichelte Knulps Hand. »Sie müssen dann bloß durch den Ausschnitt langen, er liegt auf dem Simsen.«
»Ja, danke schön,« sagte Knulp verlegen und zog seine Hand zurück.
»Soll ich Ihnen ein Bier aufheben, bis Sie wiederkommen?« fing sie wieder an und drückte sich leise gegen ihn.
»Nein, danke, ich trinke selten eins. Gut Nacht, Frau Rothfuß, und danke schön.«
»Pressiert’s denn so?« flüsterte sie zärtlich und kniff ihn in den Arm. Ihr Gesicht stand dicht vor dem seinen, und in einer verlegenen Stille, da er sie nicht mit Gewalt zurückstoßen mochte, strich er mit der Hand über ihr Haar.
»Aber jetzt muß ich weiter,« rief er plötzlich überlaut und trat zurück.
Sie lächelte ihn mit halb geöffnetem Munde an, er konnte im Dunkeln ihre Zähne schimmern sehen. Und sie rief ganz leise: »Ich warte dann, bis du heimkommst. Du bist ein Lieber.«
Nun ging er rasch davon in die finstere Gasse hinein, den Schirm unterm Arme, und begann bei der nächsten Ecke, um der törichten Beklommenheit Herr zu werden, zu pfeifen. Es war das Lied:
Du meinst’, ich werd’ dich nehmen,
Hab’s aber nicht im Sinn,
Ich muß mich deiner schämen,
Wenn ich in G’sellschaft bin.