»Wohl. Und auch sonst, schau. Oft denk ich mir: Das Allerschönste und Allerfeinste, was es überhaupt gibt, das ist ein schlankes junges Fräulein mit einem blonden Haar. Stimmt aber nicht, denn man sieht oft genug, daß eine Schwarze fast noch schöner ist. Und außerdem, es geschieht auch wieder, daß mir so scheint: Das Allerschönste und das Feinste von allem ist doch ein schöner Vogel, wenn man ihn so frei in der Höhe sieht schweben. Und ein andermal ist gar nichts so wundersam wie ein Schmetterling, ein weißer zum Beispiel mit roten Augen auf den Flügeln, oder auch ein Sonnenschein am Abend in den Wolken droben, wenn alles glänzt und doch nicht blendet, und alles dann so froh und unschuldig aussieht.«
»Ganz recht, Knulp. Es ist eben alles schön, wenn man es in der guten Stunde anschaut.«
»Ja. Aber ich denke noch anders. Ich denke, das Schönste ist immer so, daß man dabei außer dem Vergnügen auch noch eine Trauer hat oder eine Angst.«
»Ja wie denn?«
»Ich meine so: Eine recht schöne Jungfer würde man vielleicht nicht gar so fein finden, wenn man nicht wüßte, sie hat ihre Zeit und danach muß sie alt werden und sterben. Wenn etwas Schönes immerfort in alle Ewigkeit gleich bleiben sollte, das würde mich wohl freuen, aber ich würd es dann kälter anschauen und denken: Das siehst du immer noch, es muß nicht heute sein. Dagegen was hinfällig ist und nicht gleich bleiben kann, das schaue ich an und habe nicht bloß Freude, sondern auch ein Mitleid dabei.«
»Nun ja.«
»Darum weiß ich auch nichts Feineres, als wenn irgendwo bei Nacht ein Feuerwerk angestellt wird. Da gibt es blaue und grüne Leuchtkugeln, die steigen in die Finsternis hinauf und wenn sie gerade am schönsten sind, dann machen sie einen kleinen Bogen und sind aus. Und wenn man dabei zuschaut, so hat man die Freude und auch zu gleicher Zeit die Angst: gleich ist’s wieder aus, und das gehört zueinander und ist viel schöner, als wenn es länger dauern würde. Nicht?«
»Doch, wohl. Aber das stimmt auch wieder nicht für alles.«
»Warum nicht?«
»Zum Beispiel, wenn zwei einander gern haben und heiraten, oder wenn zwei miteinander eine Freundschaft schließen, so ist das doch gerade deswegen schön, weil es für die Dauer ist und nicht gleich wieder ein Ende haben soll.«