„Ein Bub. In Amerika.“
„Der hat recht. Dem geht’s besser als uns.“
„Ja, wenn’s nur wahr wär. Um Geld schreibt er, der Dackel! Hat auch geheiratet. Wie er fortgegangen ist, sag ich zu ihm: Frieder, sag ich, mach’s gut und bleib gesund; hantier, was du magst, aber wenn du heiratest, geht’s Elend los. — Jetzt hockt er drin. Gelt, du hast kein Weib gehabt?“
„Nein. Siehst, man kann auch ohne Weib ins Pech kommen. Was meinst?“
„Danach man einer ist. Ich wäre heut noch Meister, wenn die Dundersfrau nicht gewesen wär.“
„Na ja!“
„Hast du was gesagt?“
Hürlin schwieg still und tat so, als wäre er eingeschlafen. Eine warnende Ahnung sagte ihm, daß der Seiler, wenn er erst einmal recht angefangen habe, über sein Weib loszuziehen, kein Ende finden würde.
„Schlaf nur, Dickkopf!“ rief Heller herüber. Er ließ sich aber nimmer reizen, sondern stieß noch eine Weile künstliche große Atemzüge aus, bis er wirklich schlief.
Der Seiler, der mit seinen sechzig Jahren schon einen kürzeren Schlummer hatte, wachte am folgenden Morgen zuerst auf. Eine halbe Stunde blieb er liegen und starrte die weiße Stubendecke an. Dann stieg er, der sonst schwerfällig und steif von Gliedern erschien, leicht und leise wie ein Morgenlüftchen aus seinem Bette, lief barfuß und unhörbar zu Hürlins Lagerstatt hinüber und machte sich an dessen über den Stuhl gebreiteten Kleidern zu schaffen. Er durchsuchte sie mit Vorsicht, fand aber nichts darin als das Bleistiftstümpchen in der Westentasche, das er herausnahm und für sich behielt. Ein Loch im linken Strumpf seines Schlafkameraden vergrößerte er mit Hilfe beider Daumen um ein beträchtliches. Sodann kehrte er sachte in sein warmes Bett zurück und regte sich erst wieder, als Hürlin schon erwacht und aufgestanden war und ihm ein paar Wassertropfen ins Gesicht spritzte, da sprang er hurtig auf, kroch in die Hosen und sagte guten Morgen. Mit dem Ankleiden hatte er es gar nicht eilig, und als der Fabrikant ihn antrieb, vorwärts zu machen, rief er behaglich: „Ja, geh nur einstweilen hinüber, ich komm schon auch bald.“ Der andere ging und Heller atmete erleichtert auf. Er griff behende zum Waschbecken und leerte das klare Wasser zum Fenster in den Hof hinaus, denn vor dem Waschen hatte er ein tiefes Grauen. Als er sich dieser ihm widerstrebenden Handlung entzogen hatte, war er im Umsehen mit dem Ankleiden fertig und hatte es eilig zum Kaffee zu kommen.