Vielleicht hätte in dem fast geleerten Neste das Verhängnis noch weiter gewütet, aber der dermalige letzte Sonnenbruder Holdria war allzu schuldlos und allzu seßhaft. Es sind seit Hellers Tode und Finkenbeins Auszug fünfzehn Jahre vergangen und der Blöde haust noch immer feist und rotbackig in der ehemaligen Sonne. Er ist zuerst eine Zeitlang allein geblieben. Die zahlreichen Aspiranten hielten sich eine gute Weile bescheiden und ängstlich zurück, denn der schauervolle Tod des Fabrikanten, das schnelle Wegsterben des zähen Seilers und die Flucht Finkenbeins hatten sich zur allbekannten Moritat gestaltet und umgaben etwa ein halbes Jahr lang den Wohnsitz des Blödsinnigen mit blutrünstigen Sagen und Schreckensgeschichten. Allein nach dieser Zeit trieb die Not und die Trägheit wieder manche Gäste in die alte Sonne hinauf und der Holdria ist von da an nie mehr allein dort gesessen. Kuriose und langweilige Brüder hat er kommen, mitessen und sterben sehen und ist zurzeit der Senior einer Hausgenossenschaft von sieben Kumpanen, den Hausvater nicht mitgerechnet. An warmen, angenehmen Tagen sieht man sie häufig vollzählig am Rain des Bergsträßleins hocken, kleine Stummelpfeifen rauchen und mit verwitterten Gesichtern und verschiedenartigen Gefühlen auf die inzwischen talauf und talabwärts etwas größer gewordene Stadt hinunterblicken.

Ende

Buchdruckerei Roitzsch, Albert Schulze, Roitzsch.

Werke von Hermann Hesse
(S. Fischer, Verlag, Berlin)


Peter Camenzind

Roman. 50. Auflage. Geh. 3 Mark, geb. 4 Mark.

Es ist ein köstliches lebensstarkes Buch, eines von den Büchern, die, nachdem wir sie gelesen, eine stille Gewalt über unsere Seele üben. Diese Schöpfung von Hesse ist so reich und meist auch von so reifer Kunst, daß sie dem Besten, was seine Landsleute Keller und Meyer geschaffen haben, an die Seite gestellt werden darf.

(Der Tag, Berlin)

Ein Buch für die Verträumten im Lande. Von allerlei Liebe und Freundschaft, von sonderbaren Menschen, von schneeweißen Wolken, die am kornblauen Himmel stehen, und von den Schatten der Bäume wird erzählt. Die Beichte einer Jugend, böser Bangigkeiten voll und arm an schmalen Freuden, durchaus nicht immer gewandt, aber immer in Worten, die von einer köstlichen Innigkeit und Innerlichkeit überleuchtet sind: Abendröte der Seele, duftende Keuschheiten.