„Ich will heim.“
„Heim? Ja warum denn? Ist was passiert?“
„Nein. Aber es hat doch keinen Wert, ich weiß es jetzt gewiß.“
„So? Hast du einen Korb gekriegt?“
„Nein. Aber ich weiß doch —“
Sie unterbrach ihn und zog ihn mit.
„Jetzt keine Faxen! Du kommst mit und es wird schon recht werden. Beim Kaffee setz’ ich dich neben die Margret, paß auf.“
Er schüttelte bekümmert den Kopf, gehorchte aber und ging mit. Das Kircherspäule versuchte eine Unterhaltung mit ihm anzufangen und mußte es wieder aufgeben, denn er blickte schweigend geradeaus und hatte ein gereiztes und verbittertes Gesicht, wie es niemand an ihm je gesehen hatte.
Nach einer halben Stunde erreichte die Gesellschaft das Ziel des Ausflugs, ein kleines Walddorf, dessen Wirtshaus durch seinen guten Kaffee bekannt war und in dessen Nähe die Ruinen einer kleinen Raubritterburg lagen. Im Wirtsgarten war die schon länger angekommene Jugend lebhaften Spielen hingegeben, Gelächter und laute Rufe klangen hell durch die sonnige Frühlingsluft. Jetzt wurden Tische aus dem Hause gebracht und zusammengerückt, die jungen Leute trugen Stühle und Bänke herbei; frisches Tischzeug wurde aufgelegt und die Tafeln mit Tassen, Kannen, Tellern und Backwerk bestellt. Frau Ohngelt gelang es richtig, ihren Sohn an Margrets Seite zu bringen. Er aber nahm seines Vorteils nicht wahr, sondern dämmerte im Gefühl seines Unglücks trostlos vor sich hin, rührte gedankenlos mit dem Löffel im erkaltenden Kaffee und schwieg hartnäckig trotz allen Blicken, die seine Mutter ihm sandte. Gleichgiltig hörte er zu, wie Margret mit ihrem andern Tischnachbarn ein lebhaftes Gespräch begann und weiterführte, und er nickte nur still vor sich hin, als weiter unten an der Tafel im Gewirre der Unterhaltungen auch Anspielungen auf sein Abenteuer laut wurden. Er hörte mehrmals unter Kichern das Wort Zachäus aussprechen und wußte, wem es galt, und dennoch war er nicht mehr zornig, sondern gab sich dem Gefühl eines widerstandslosen Untersinkens in Schmach und Unglück mit einer Art von Wollust hin.
Nach der zweiten Tasse beschlossen die Anführer der Jungen, einen Gang nach der Burgruine zu tun und dort Spiele zu machen. Lärmend erhob sich die Jungmannschaft samt den Mädchen. Auch Margret Dierlamm stand auf und im Aufstehen übergab sie dem mutlos verharrenden Ohngelt ihr hübsches perlengesticktes Handtäschlein mit den Worten: