„Das ist wieder eine von Ihren romantischen Ideen,“ sagte sie, „sich hier in der Nacht auf dem schwarzen Wasser von einer Frau Geschichten erzählen zu lassen. Ich kann das aber leider nicht. Ihr Dichter seid gewöhnt, für alles hübsche Worte zu haben und denen, die weniger von ihren Empfindungen reden, gleich gar kein Herz zuzutrauen. In mir haben Sie sich getäuscht, denn ich glaube nicht, daß man heftiger und stärker lieben kann als ich es tue. Ich liebe einen Mann, der an eine andere Frau gebunden ist, und er liebt mich nicht weniger; doch wissen wir beide nicht, ob es je möglich sein wird, daß wir zusammenkommen. Wir schreiben uns und wir treffen uns auch zuweilen . . . .“

„Darf ich Sie fragen, ob diese Liebe Sie glücklich macht, oder elend, oder beides?“

„Ach, die Liebe ist nicht da um uns glücklich zu machen. Ich glaube sie ist da, um uns zu zeigen, wie stark wir im Leiden und Tragen sein können.“

Das verstand ich und konnte nicht hindern, daß mir etwas wie ein leises Stöhnen statt der Antwort vom Munde kam.

Sie hörte es.

„Ah,“ sagte sie, „kennen Sie das auch schon? Sie sind noch so jung! Wollen Sie mir nun auch beichten? Aber nur wenn Sie wirklich wollen —.“

„Ein andermal vielleicht, Fräulein Aglietti. Mir ist heute ohnehin windig zu mut, und es tut mir leid, daß ich vielleicht auch Ihnen die Stimmung getrübt habe. Wollen wir umkehren?“

„Wie Sie wollen. Wie weit sind wir eigentlich?“

Ich gab keine Antwort mehr, sondern stemmte die Ruder rauschend gegen das Wasser, wendete und zog an, als wäre die Bise im Anzug. Das Boot strich eilig über die Fläche und mitten in dem Wirbel von Jammer und Scham, der in mir kochte, fühlte ich wie mir der Schweiß in großen Tropfen übers Gesicht lief, und fror zugleich. Wenn ich vollends daran dachte, wie nahe ich daran gewesen war den knieenden Bittsteller und mütterlich-freundlich abgewiesenen Liebhaber zu spielen, lief mir ein Schaudern durchs Mark. Das wenigstens war mir erspart geblieben, mit dem übrigen Jammer galt es nun sich abzufinden. Ich ruderte wie besessen heimwärts.

Das schöne Fräulein war einigermaßen befremdet, als ich am Ufer kurzen Abschied nahm und sie allein ließ.