Er kam, ein kleiner langsamer Mann mit bedächtigen Manieren, er maß den Raum aus, kniete am Boden, streckte den Meterstab zur Decke, stank ein wenig nach Leim und notierte eine Zahl um die andere behutsam mit zollgroßen Ziffern in sein Notizbuch. Zufällig geschah es, daß er bei seinem Hantieren an einen mit Büchern beladenen Sessel stieß. Ein paar Bände fielen herunter und er bückte sich, sie aufzuheben. Unter den Büchern war ein kleines Handlexikon der Handwerksburschensprache. Man findet den kleinen Kartonband fast in allen deutschen Handwerksburschenherbergen, ein gut gemachtes und ergötzliches Büchlein.
Der Schreiner, als er das ihm wohlbekannte Bändchen sah, blickte kurios zu mir herüber, halb belustigt und halb mißtrauisch.
„Was gibt’s?“ frage ich.
„Mit Verlaub, ich sehe da ein Buch, das ich auch kenne. Haben Sie das wirklich studiert?“
„Studiert hab’ ich die Kundensprache auf der Landstraße,“ erwiderte ich, „aber man schlägt schon gern einmal einen Ausdruck nach.“
„Wahrhaftig!“ rief er. „Ja sind Sie denn selber einmal auf der Walze gewesen?“
„Nicht ganz so wie Sie meinen. Aber gewandert bin ich genug und habe in mancher Penne übernachtet.“
Er hatte unterdeß die Bücher wieder aufgeschichtet und wollte gehen.
„Wo haben Sie sich denn seinerzeit herumgeschlagen?“ fragte ich ihn.
„Von hier bis Koblenz, und später noch auf Genf hinunter. Es war nicht meine schlechteste Zeit.“