Der Sanitätsrat blickte auf. Er sah aus dem gelben, verarbeiteten Gesicht mit einem bleichen Blick zu ihm herüber und nickte mit dem Kopf.

„Ja, leider. Es ist schlimm, Herr Veraguth.“

Er ließ den Blick nicht mehr von ihm. Wartend und aufmerksam sah er zu, wie der Maler erbleichte und die Hände sinken ließ. Er sah das feste, knochige Gesicht schwach und hilflos werden, sah den Mund seine scharfe Spannung verlieren und die Augen blicklos irren. Er sah den Mund sich krümmen und leise zittern, und sah die Lider über die Augen sinken wie bei einem Ohnmächtigen. Er beobachtete und wartete. Und dann sah er den Mund des Malers sich zusammenraffen, die Augen von neuem Willen belebt, nur die tiefe Blässe war geblieben. Er sah, der Maler war bereit, ihn zu hören.

„Was ist es, Doktor? Sie brauchen mich nicht zu schonen, reden Sie nur. – Sie glauben doch nicht, daß Pierre sterben muß?“

Nun rückte der Sanitätsrat mit seinem Stuhl etwas näher. Er sprach ganz leise, aber scharf und deutlich.

„Das kann niemand sagen. Aber wenn ich mich nicht ganz täusche, ist der Kleine sehr gefährlich krank.“

Veraguth sah ihm in die Augen.

„Muß er sterben? Ich möchte wissen, ob Sie glauben, daß er sterben muß. Verstehen Sie – ich möchte es wissen.“

Der Maler war, ohne es zu wissen, aufgestanden und wie drohend vorgetreten. Der Arzt legte ihm die Hand auf den Arm, er zuckte zusammen und sank alsbald wie beschämt wieder in den Sessel zurück.

„Es hat keinen Sinn, so zu reden,“ fing der Sanitätsrat wieder an. „Über Tod und Leben entscheiden wir nicht, da werden wir Ärzte selber täglich überrascht. Für uns muß jeder Kranke, solange er überhaupt noch atmet, eine Hoffnung sein, wissen Sie. Wo kämen wir sonst hin!“