„Pierre, mein Lieber!“
Er bückte sich zärtlich herab und küßte den lächelnden Mund. Pierre sah frischer und glücklicher aus, als er ihn je wieder zu sehen gehofft hatte, die Augen waren klar und bewußt, die tiefe Falte zwischen den Brauen war beinahe verschwunden.
„Mein Herz, geht dir’s besser?“
Der Knabe lächelte und sah ihn wie verwundert an. Der Vater bot ihm die Hand und er legte sein Händchen hinein, das niemals sehr stark gewesen und nun so klein und weiß und müde war.
„Nun sollst du gleich Frühstück bekommen, und nachher erzähle ich dir Geschichten.“
„O ja, vom Herrn Rittersporn und von den Sommervögeln,“ sagte Pierre, und wieder war es seinem Vater wie ein Wunder, daß er sprach und lächelte und wieder ihm gehörte.
Er brachte ihm sein Frühstück, Pierre aß willig und ließ sich noch zu einem zweiten Ei überreden. Dann verlangte er nach seinem Lieblingsbilderbuch. Der Vater schob vorsichtig einen der Vorhänge beiseite, das bleiche Licht des Regentages kam herein und Pierre versuchte aufzusitzen und Bilder anzusehen. Es schien ihm keine Schmerzen zu machen, aufmerksam betrachtete er mehrere Blätter und begrüßte die lieben Bilder mit kleinen Ausrufen der Freude. Dann ermüdete ihn das Sitzen und die Augen begannen wieder ein wenig zu schmerzen. Er ließ sich zurücklegen und bat den Papa, ihm ein paar von den Versen vorzulesen, vor allem von dem kriechenden Günsel, der zum Apotheker Gundermann kommt:
O Apotheker Gundermann,
O helft mir doch mit Salben!
Ihr seht, wie schlecht ich gehen kann,