„Tröste dich,“ sagte er zu ihr, „und vergiß nicht, daß Pierre ja mir gehört hat. Du hattest ihn mir abgetreten – ich danke dir nochmals dafür. Ich wußte schon damals, daß er sterben müsse – aber es war lieb von dir. Und nun lebe ganz, wie es dir gefällt, und übereile nichts! Behalte Roßhalde einstweilen, es könnte dich reuen, wenn du es zu bald weggäbest. Darüber wird dich der Notar noch belehren, er meint, der Bodenwert müsse hier bald steigen. Viel Glück dazu! Mir gehört hier nichts mehr als die Sachen im Atelier, ich werde sie später abholen lassen.“
„Danke ... Und du? Du willst nie mehr hierher kommen?“
„Nie mehr. Es hätte keinen Zweck. Und ich wollte dir noch sagen: es ist bei mir gar keine Bitterkeit mehr vorhanden. Ich weiß, ich bin an allem selbst schuldig gewesen.“
„Sage das nicht! Du meinst es gut, aber es quält mich nur. Da bleibst du nun ganz allein zurück! Ja, wenn du Pierre hättest behalten können. Aber so – nein, so hätte es nicht kommen dürfen! Ich habe auch schuld gehabt, ich weiß ...“
„Das haben wir abgebüßt, Kind, in diesen Tagen. Du mußt ruhig sein, es ist alles gut, es ist wirklich nichts mehr zu klagen. Sieh, jetzt hast du Albert ganz für dich. Und ich, ich habe meine Arbeit. Damit läßt sich alles ertragen. Auch du wirst glücklicher sein, als du es seit Jahren warst.“
Er war so ruhig, daß auch sie sich überwand. Ach, es gab Vieles, unendlich Vieles, was sie noch gerne gesagt hätte, wofür sie ihm noch hätte danken, worum sie ihn hätte anklagen mögen. Aber sie sah, er hatte recht. Für ihn war dies alles offenbar schon wesenlose Vergangenheit geworden, was sie noch als Leben und bittere Gegenwart empfand. Es hieß nun stille sein und das Alte vergangen sein lassen. Und so hörte sie mit geduldiger Aufmerksamkeit an, was er anzuordnen hatte, und wunderte sich, wie wohl er alles überlegt und an alles gedacht hatte.
Über die Scheidung wurde kein Wort gesprochen. Das konnte irgendeinmal später geschehen, wenn er von Indien zurück war.
Nach Mittag fuhren sie zur Bahn. Da stand Robert mit den vielen Koffern, und im Lärm und Ruß der großen Glashalle brachte Veraguth die beiden in ihren Wagen, kaufte Zeitschriften für Albert und übergab ihm den Gepäckschein, wartete vor dem Fenster bis zur Abfahrt, zog grüßend den Hut und sah dem Zuge nach, bis Albert vom Fenster verschwand.
Auf dem Heimwege ließ er sich von Robert die Auflösung seines übereilten Verlöbnisses erzählen. Zu Hause fand er schon den Tischler warten, der die Kisten zu seinen letzten Bildern zimmern sollte. Wenn diese verpackt und weggeschickt waren, wollte auch er gehen. Ihn verlangte sehnlich nach der Abreise.
Und nun war auch der Tischler abgefertigt. Robert arbeitete im Herrschaftshause mit der einen Magd, die noch da war, sie deckten die Möbel zu und schlossen Fenster und Läden.