Er ruderte mit flachen Händen, schüttelte sich und tauchte unter.

„Du weißt nicht, wie gut du es hast!“ rief er neidisch. „Durch meine Pflanzung draußen läuft der schönste Fluß, und streckst du das Bein hinein, so siehst du es nicht wieder. Er ist voll von den verfluchten Krokodilen. Vorwärts jetzt, um den großen Becher von Roßhalde! Wir schwimmen bis zur Treppe da unten und wieder zurück. Bist du soweit? Also: eins – zwei – drei!“

Rauschend stießen sie ab, beide mit lachenden Gesichtern und in mäßigem Tempo, aber der Hauch vom Jugendgarten war noch über ihnen, sie begannen alsbald ernstlich zu wetteifern, die Gesichter spannten sich, die Augen blitzten und die geschwungenen Arme glänzten mit weiten Wurfbewegungen aus dem Wasser. Sie waren gleichzeitig bei der Treppe, stießen gleichzeitig wieder ab und strebten denselben Weg zurück, und nun warf sich der Maler in heftigen Schwüngen vorwärts, gewann Vorsprung und war eine kleine Weile vor dem anderen am Ziel.

Stark atmend hielten sie stehend im Wasser, rieben sich die Augen aus und lachten einer den anderen in schweigendem Vergnügen an, und es schien beiden, erst jetzt seien sie wieder die alten Kameraden und erst jetzt beginne die kleine, fatale Kluft von Ungewohntheit und Fremdheit zwischen ihnen zu verschwinden.

Wieder angekleidet saßen sie mit frischen Gesichtern und erleichtertem Gefühl nebeneinander auf den flachen Steinstufen der Seetreppe. Sie blickten über den dunkeln Wasserspiegel, der sich jenseits in der buschüberhangenen ovalen Bucht schon in schwärzlich braune Dämmerung verlor, sie naschten feiste hellrote Kirschen, die sie dem Diener noch in der braunen Papierhülle abgenommen hatten, und sie sahen mit befreiten Herzen dem herankommenden Abend zu, bis die tiefstehende Sonne wagrecht zwischen den Stämmen hindurch hereinschien und auf den gläsernen Flügeln der Libellen goldene Feuer entzündete. Und sie plauderten ohne Pause und ohne Besinnen eine gute Stunde lang von der Institutszeit, von den Lehrern und den damaligen Mitschülern und was aus dem und jenem geworden sei.

„Mein Gott,“ sagte Otto Burkhardt mit seiner friedlich frischen Stimme, „es ist lange her. Weiß man denn nicht, was aus der Meta Heilemann geworden ist?“

„Ja, die Meta Heilemann!“ fiel Veraguth begierig ein. „Sie war wirklich ein schönes Mädel. Alle meine Schreibunterlagen waren voll von ihren Porträts, die ich während der Schulstunden heimlich auf die Fließblätter zeichnete. Das Haar ist mir nie recht geglückt. Weißt du noch, sie trug es in zwei dicken Schnecken über den Ohren.“

„Weißt du nichts von ihr?“

„Nichts. Als ich das erstemal von Paris zurückkam, war sie mit einem Rechtsanwalt verlobt. Ich traf sie mit ihrem Bruder auf der Straße, und ich weiß noch, wie ich über mich selber wütend war, weil ich sofort rot wurde und mir trotz dem Schnurrbart und der Pariser Abgebrühtheit wieder wie ein dummer kleiner Schulbub vorkam. – Nur daß sie Meta hieß! Ich konnte den Namen nicht ausstehen!“

Burkhardt wiegte träumerisch den runden Kopf.