Achtes Kapitel
Veraguth stand vor seinem großen Bilde mit den drei Figuren und malte am Gewand der Frau, einem dünnen, blaugrünen Kleide, an dessen Halsausschnitt ein kleiner Goldschmuck verloren und traurig glänzte und allein das liebe Licht auffing, das auf dem beschatteten Gesicht keine Stätte fand und an dem kühlen, blauen Gewande fremd und freudlos niederglitt ... dasselbe Licht, das nebenan im hellen, offenen Haar des schönen Kindes froh und innig spielte.
Es klopfte an der Türe und der Maler trat unwillig und gereizt zurück. Als es nach einer kleinen Wartezeit nochmals pochte, ging er mit heftigen Schritten zur Tür und öffnete einen schmalen Spalt.
Da stand Albert, der in der ganzen Ferienzeit das Atelierhaus nie betreten hatte. Er hielt den Strohhut in der Hand und blickte etwas unsicher in das nervöse Gesicht des Vaters.
Dieser ließ ihn eintreten.
„Guten Tag, Albert. Du kommst wohl, um dir meine Bilder anzusehen? Es ist wenig da.“
„O, ich will gar nicht stören. Ich wollte nur schnell fragen ...“
Aber Veraguth hatte die Türe geschlossen und war an der Staffelei vorüber zu einem graugestrichenen Lattengerüste gegangen, wo auf schmalen, mit Rollen versehenen Böden seine Bilder standen. Er zog das Bild mit den Fischen hervor.
Albert trat verlegen neben seinen Vater und beide blickten auf die silbrig schimmernde Leinwand.
„Machst du dir eigentlich etwas aus der Malerei?“ fragte Veraguth leichthin. „Oder freut dich nur die Musik?“