„Auf Wiedersehen! Und langweile dich nicht zu sehr, bis die Jungen zurückkommen.“

Damit ging er hinaus und die Treppe hinab. Unten sprang der Hund an ihm in die Höhe. Er nahm seine Tatzen in die linke Hand zusammen, streichelte ihn mit der rechten und sah ihm in die eifrigen Augen. Dann rief er durchs Küchenfenster nach einem Stück Zucker, gab es dem Hunde, warf einen Blick auf den sonnigen Rasenplatz und ging langsam ins Atelier hinüber. Es war heute hübsch hier draußen, und eine herrliche Luft; aber er hatte keine Zeit, er mußte arbeiten.

Im stillen, aufgelösten Licht der hohen Werkstatt stand sein Bild. Auf einer grünen Fläche mit wenigen kleinen Wiesenblumen saßen die drei Figuren: der Mann gebückt und in ein hoffnungsloses Grübeln vergraben, die Frau ergeben wartend in enttäuschter Freudlosigkeit, das Kind hell und arglos in den Blumen spielend, und über ihnen allen ein intensives, wogendes Licht, das triumphierend im Raume flutete und in jedem Blumenkelch mit derselben unbekümmerten Innigkeit aufstrahlte wie im lichten Haar des Knaben und in dem kleinen Goldschmuck am Halse der betrübten Frau.

Neuntes Kapitel

Der Maler hatte bis gegen den Abend weitergearbeitet. Nun saß er, die Hände im Schoß und stumpf vor Ermüdung, eine Weile zusammengesunken im Armstuhl, vollkommen leer und ausgepreßt, mit erschlafften Wangen und etwas entzündeten Augenlidern, alt und fast leblos wie ein Bauer oder Holzhauer nach der schwersten körperlichen Arbeit.

Am liebsten wäre er so sitzengeblieben und hätte sich ganz der Müdigkeit und der Schlafsehnsucht überlassen. Seine herrische Zucht und Gewohnheit verlangte es aber anders, und er raffte sich nach einer Viertelstunde mit einem Ruck zusammen. Er stand auf, ohne mehr einen Blick nach dem großen Bilde hin zu tun, ging zur Badestelle am Weiher, zog sich aus und schwamm langsam um den See.

Es war ein milchig bleicher Abend, vom nächsten Feldwege her kam, durch den Park gedämpft, das Geräusch knarrender Heuwagen und das schwerfällige Rufen und Lachen müdgearbeiteter Knechte und Mägde herübergeklungen. Fröstelnd stieg Veraguth ans Land, rieb sich sorgfältig warm und trocken, ging in sein kleines Wohnzimmer und zündete eine Zigarre an.

Er hatte diesen Abend Briefe schreiben wollen, nun rückte er unschlüssig an der Tischlade, schob sie aber ärgerlich wieder zu und schellte nach Robert.

Der Diener kam gelaufen.

„Sagen Sie, wann sind die jungen Leute mit dem Wagen zurückgekommen?“