„Ach nein. Aber ich finde es rücksichtslos von Albert. Er sprach von ein paar Stunden. Wenigstens hätte er uns telephonieren können.“
„Es ist ja noch früh. Sie werden gewiß zum Abendessen da sein.“
„Immer ist der Kleine weg, wenn ich ihn einmal ein bißchen haben möchte!“
„Es hat keinen Sinn, daß du dich so ärgerst. Es ist doch der reine Zufall. Pierre ist oft genug bei dir drüben.“
Er biß sich auf die Lippen und ging schweigend hinaus. Sie hatte recht, es hatte keinen Sinn, sich aufzuregen, es hatte keinen Sinn, lebhaft zu sein und etwas vom Augenblick zu verlangen! Es war besser, in geduldiger Gelassenheit zu sitzen, wie sie es tat!
Zornig ging er zum Hof hinaus und auf die Landstraße. Nein, er wollte das nicht lernen, er wollte seine Freude und wollte seinen Zorn haben! Wie hatte diese Frau ihn schon gedämpft und still gemacht, wie war er schon beherrscht und alt geworden, er, der früher gewohnt gewesen war, frohe Tage lärmend in die tiefe Nacht hineinzuziehen und im Ärger die Stühle zu zerschmettern! Aller Groll und alle Bitterkeit kam wieder in ihm auf, und zugleich ein sehnliches Verlangen nach seinem Knaben, dessen Blick und Stimme allein ihn froh machen konnten.
Mit großen Schritten lief er auf der abendlichen Straße dahin. Wagenrollen wurde hörbar und er eilte gespannt entgegen. Es war nichts. Ein Bauerngaul mit einem Karren voll Gemüse. Veraguth rief ihn an.
„Haben Sie nicht einen Einspänner überholt, mit zwei jungen Leuten auf dem Bock?“
Der Bauer schüttelte den Kopf, ohne anzuhalten, und sein schweres Roß trabte gleichmütig weiter in den sanften Abend hinein.
Im Weitergehen fühlte der Maler seinen Zorn erkalten und hinschwinden. Seine Schritte wurden ruhiger, die Müdigkeit kam wohlig über ihn, und während er bequem ausschritt, ruhten seine Augen dankbar in der stillen, reichen Landschaft aus, die bleich und fein im dunstigen Spätlichte lag.