„Ich hoffe, ja. Wenn ich einen schieße, bringe ich das Fell natürlich mit. Aber hauptsächlich will ich dort malen.“
„Das kann ich mir denken. Ich las von einem französischen Maler, der irgendwo in den Tropen war, auf so einer Insel in der Südsee, glaube ich – es muß herrlich sein.“
„Nicht wahr? Und ihr werdet inzwischen vergnügt sein und viel musizieren und Ski laufen. Aber nun will ich sehen, was der Kleine macht. Laßt euch nicht stören!“
Er war hinaus, noch ehe jemand geantwortet hatte.
„Manchmal ist Papa doch großartig,“ sagte Albert in seiner Freude. „Diese Reise nach Indien, das gefällt mir, das hat Stil.“
Seine Mutter lächelte mühsam. Ihr Gleichgewicht war gestört und sie hatte das Gefühl, auf einem Ast zu sitzen, der eben angesägt wird. Aber sie schwieg und brachte eine freundliche Miene zusammen, darin hatte sie Übung.
Der Maler war bei Pierre eingetreten und hatte sich an sein Bett gesetzt. Leise holte er ein schmales Skizzenbuch hervor und begann den Kopf und Arm des kleinen Schläfers zu zeichnen. Er wollte, ohne Pierre mit Sitzungen zu quälen, ihn in dieser Zeit noch so oft und so gut als immer möglich festhalten und sich einprägen. Mit zärtlicher Aufmerksamkeit bemühte er sich um die lieben Formen, um den Fall und Strich des zarten Haares, um die hübschen, nervösen Nasenflügel, um die dünne, willenlos ruhende Hand und um die eigenwillig rassige Linie des festgeschlossenen Mundes.
Er sah den Knaben selten im Bett und es war das erstemal, daß er ihn nicht mit kindlich geöffneten Lippen schlafen sah, und indem er den frühreifen, ausdrucksvollen Mund beobachtete, fiel ihm die Ähnlichkeit mit dem Munde seines Vaters, Pierres Großvaters, auf, der ein kühner und phantasievoller, aber leidenschaftlich rastloser Mensch gewesen war, und während er schaute und arbeitete, beschäftigte ihn dies sinnvolle Spiel der Natur mit den Zügen und Schicksalen der Väter, Söhne und Enkel, und es streifte ihm, der kein Denker war, das sorgenvoll köstliche Rätsel der Folge und Notwendigkeit die Seele.
Und plötzlich schlug der Schlafende die Augen auf und blickte in die des Vaters, und wieder fiel es dem Vater auf, wie unkindlich ernsthaft dieser Blick und dies Erwachen sei. Er hatte den Bleistift sofort weggelegt und das Büchlein zugeklappt, nun beugte er sich über den Erwachten, küßte ihm die Stirn und sagte fröhlich: „Guten Morgen, Pierre. Geht es besser?“
Der Kleine lächelte beglückt und begann sich zu strecken. O ja, es ging besser, es ging viel besser. Er besann sich langsam. Ja, gestern war er krank gewesen, er fühlte noch den Schatten des häßlichen Tages herüberdrohen. Aber nun war es viel besser, er wollte nur noch ein klein wenig liegen bleiben und die Wärme und ruhige Dankbarkeit dieses Zustandes kosten, dann würde er aufstehen und frühstücken und mit Mama in den Garten gehen.