Er sah auf die Uhr. Sie schwiegen beide, als der Wagen die Übersetzung wechselte und mit lauterem Keuchen bergan fuhr. Bald waren sie draußen und mußten am Hoftor absteigen, das nicht geöffnet war.
„Warten Sie auf mich,“ rief der Sanitätsrat dem Chauffeur zu. Dann schritten sie rasch über den Hof und ins Haus. Die Mutter saß bei Pierres Bett.
Nun hatte der Arzt plötzlich Zeit. Ohne Eile ging er an die Untersuchung, versuchte den Knaben zum Plaudern zu bringen, hatte gütig beruhigende Worte für die Mutter und schuf in aller Gelassenheit eine Atmosphäre von Vertrauen und Sachlichkeit, die auch Veraguth wohltat.
Pierre zeigte kein Entgegenkommen, er verhielt sich still, unwillig und mißtrauisch. Als man ihm den Bauch abtastete und drückte, verzog er höhnisch den Mund, als finde er diese Bemühungen töricht und unnütz.
„Eine Vergiftung scheint ausgeschlossen,“ sagte der Sanitätsrat behutsam, „und am Blinddarm ist gar nichts zu finden. Es ist wohl einfach ein verdorbener Magen, und für den ist Abwarten und Fasten das beste. Geben Sie dem Jungen heute nichts als ein wenig schwarzen Tee, falls er Durst hat, abends kann er auch einen kleinen Schluck Bordeaux haben. Falls alles gut bleibt, bekommt er morgen zum Frühstück Tee und Zwieback. Sollte er Schmerzen bekommen, so können Sie mir ja telephonieren.“
Erst an der Türe draußen fing Frau Veraguth zu fragen an. Sie bekam aber keine weitere Auskunft.
„Der Magen scheint tüchtig verstimmt, und das Kind ist offenbar sensibel und nervös. Von Fieber keine Spur. Sie können ihn ja abends messen. Der Puls ist etwas matt. Sollte es nicht besser werden, so komme ich morgen wieder her. Mir scheint, es ist nichts Ernstliches.“
Er empfahl sich rasch und war nun wieder sehr eilig. Veraguth begleitete ihn bis zum Wagen.
„Kann das lange dauern?“ fragte er im letzten Augenblick.
Der Arzt lachte hart.