Gleich darauf kam der Sanitätsrat.
„Hat er wieder erbrochen? Nicht? Schön. Und die Nacht war gut? Was hat er denn gefrühstückt?“
Als er den Knaben aufrichtete und sein Gesicht gegen das Fenster drehte, zuckte Pierre wieder wie in Schmerzen zusammen und drückte die Augen zu. Aufmerksam betrachtete der Arzt den seltsam starken Ausdruck von Abwehr und Pein in dem Kindergesicht.
„Ist er auch gegen Geräusche so empfindlich?“ fragte er Frau Adele flüsternd.
„Ja,“ sagte sie leise, „wir dürfen gar nimmer Klavier spielen, sonst tut er ganz verzweifelt.“
Der Sanitätsrat nickte und zog den Vorhang halb zu. Dann hob er den Kleinen aus dem Bett, horchte an seinem Herzen und schlug ihm mit einem kleinen Hämmerlein probierend auf die Sehnen unterhalb der Kniescheiben.
„Schon gut,“ sagte er freundlich, „nun lassen wir dich in Ruhe, mein Junge.“
Er legte ihn behutsam ins Bett zurück, nahm seine Hand und nickte ihm lächelnd zu.
„Darf ich noch einen Augenblick bei Ihnen eintreten?“ sagte er im Kavalierston zu Frau Veraguth und ließ sich in ihr Zimmer führen.
„Nun erzählen Sie mir noch mehr von Ihrem Kleinen,“ sagte er ermunternd. „Mir scheint, er ist doch sehr nervös und wir müssen ihn nun eine Weile gut pflegen, Sie und ich. Die Magengeschichte ist nicht der Rede wert. Er muß unbedingt wieder essen. Feine, stärkende Sachen: Eier, Bouillon, frische Sahne. Versuchen Sie es einmal mit Eigelb. Wenn er es lieber süß nimmt, schlagen Sie es mit Zucker in eine Tasse. Und nun, ist Ihnen sonst etwas an ihm aufgefallen?“