Eine Weile umstrich der Ankömmling das Handelshaus, ohne daß er den Mut gefunden hätte, einzutreten und nach seinem Landsmann zu fragen. Er ging hin und wieder, atmete den Duft der Fremde und Wanderschaft und wagte nur hie und da schüchtern einen Liedanfang zu pfeifen, der in früheren Zeiten als Signal zwischen Franz Remppis und ihm gegolten hatte. Nach einiger Zeit erschien der Gesuchte denn auch in einem hohen Mansardenfensterchen, winkte hinab und wies den Freund durch Zeichen an, ihn nicht vor dem Hause, sondern unten am Marktplatz zu erwarten. Leicht enttäuscht begab sich Emil hinweg und brachte seine Wartezeit vor dem Schaufenster eines Eisenhändlers zu, wo er von neuem feststellte, daß es hier am Orte weniger fein und modern aussehe und zugehe als daheim in Gerbersau.

Nun aber kam Franz daher, und sogleich sank Emils Kritiklust zusammen, da er den Schulfreund in einem ganz neuen Anzug mit einem steifen, unmäßig hohen Hemdkragen und sogar mit Manschetten geschmückt sah.

»Servus!« rief der junge Remppis fröhlich. »Jetzt kann es also losgehen. Hast du Zigarren?«

Und da Emil keine hatte, schob er ihm eine kleine Handvoll in die Brusttasche.

»Schon recht, du bist ja mein Gast. Ums Haar hätte ich heut nicht frei gekriegt, der Alte war verflucht scharf. Aber jetzt wollen wir marschieren.«

So sehr das flotte Wesen Emil gefiel, so konnte er eine Enttäuschung doch nicht verbergen. Er war zu einem Vereinsausfluge eingeladen, er hatte Fahnen und vielleicht sogar Musik erwartet.

»Ja, wo ist denn euer Verein jüngerer Angehöriger des Handelsstandes?« fragte er mißtrauisch.

»Der wird schon kommen. Wir können doch nicht unter den Fenstern der Prinzipale ausrücken! Die gönnen einem so wie so kein Vergnügen. Nein, wir treffen uns vor der Stadt beim alten Galgen.«

»So so. Beim Galgen?«

»Ja, so heißt es dort. Es ist ein Wirtshaus. Da sind wir ganz sicher, daß keiner von den Alten hinkommt.«