„Jetzt muß ich zum Stadtpfarrer.“
„Immer noch? Das Examen ist doch vorbei.“
„Ja, jetzt kommt was andres dran. Neues Testament. Nämlich das Neue Testament ist ja griechisch geschrieben, aber wieder in einem ganz andern Griechisch, als was ich gelernt hab’. Das soll ich jetzt lernen.“
Der Schuster schob die Mütze weit ins Genick und zog seine große Grüblerstirn zu dicken Falten zusammen. Er seufzte schwer.
„Hans,“ sagte er leise, „ich will dir was sagen. Bis jetzt hab’ ich mich still gehalten, von wegen dem Examen, aber jetzt muß ich dich mahnen. Du mußt nämlich wissen, daß der Stadtpfarrer ein Ungläubiger ist. Er wird dir sagen und vormachen, die heiligen Schriften seien falsch und verlogen, und wenn du mit ihm das Neue Testament gelesen hast, dann hast du selber deinen Glauben verloren und weißt nicht wie.“
„Aber, Herr Flaig, es handelt sich ja bloß ums Griechische. Im Seminar muß ich’s ja sowieso lernen.“
„So sagst du. Es ist aber zweierlei, ob du die Bibel bei frommen und gewissenhaften Lehrern studieren lernst oder bei einem, der nicht mehr an den lieben Gott glaubt.“
„Ja, das weiß man doch nicht, ob er wirklich nicht an ihn glaubt.“
„Doch, Hans, man weiß es leider.“
„Aber was soll ich machen? Ich hab’ nun schon mit ihm ausgemacht, daß ich komme.“