„Ich weiß nicht. Die Lehrer meinten so. Und das Lernen fällt mir ja nicht schwer.“

„Mag sein“, sagte Flaig und ergriff des Knaben Arm. „Mit dem Lernen wär’s schon recht, aber was hast du da für ein paar Ärmlein? Und auch’s Gesicht ist so mager. Hast auch noch Kopfweh?“

„Hie und da.“

„’s ist ein Unsinn, Hans, und eine Sünde dazu. In deinem Alter muß man ordentlich Luft und Bewegung und sein richtiges Ausruhen haben. Zu was gibt man euch denn Ferien? Doch nicht zum Stubenhocken und Weiterlernen. Du bist ja lauter Haut und Knochen.“

Hans lachte.

„Na ja, du wirst dich schon durchbeißen. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Und mit den Lektionen beim Stadtpfarrer, wie ist’s da gegangen? Was hat er gesagt?“

„Gesagt hat er vielerlei, aber gar nichts Schlimmes. Er weiß kolossal viel.“

„Hat er nie despektierlich von der Bibel geredet?“

„Nein, kein einziges Mal.“

„Das ist gut. Denn das sage ich dir: Lieber zehnmal am Leibe verderben als Schaden nehmen an seiner Seele! Du willst später Pfarrer werden, das ist ein köstliches und schweres Amt, und es braucht andere Leute dazu, als die meisten von euch jungen Menschen sind. Vielleicht bist du der rechte und wirst einmal ein Helfer und Lehrer der Seelen sein. Das wünsche ich von Herzen und will darum beten.“