Schon im Jahre 1752 stellte Franklin seine bekannten Drachenversuche an, und vor etwa mehr als 60 Jahren bildete sich in Philadelphia eine Gesellschaft, der »Franklin Kite-Klub« genannt, dessen Mitglieder den Drachenflug auf mehr oder minder wissenschaftliche Weise betrieben.
Ernster wurden diese Versuche aber erst im letzten halben Decennium in Angriff genommen. Speziell sind es die Experimente der Amerikaner W. A. Eddy, Rotch u. a., welche unser lebhaftes Interesse erregen. Es gelang diesen Männern, sowie Teisserenc de Bort in Paris und Assmann in Berlin nicht nur außerordentlich große Höhen zu erreichen, sondern auch selbst registrierende, meteorologische Apparate stundenlang in großen Höhen zu erhalten.
Um diese Instrumente auf eine Höhe von 3000 m und darüber zu heben, haben Drachen, sobald Wind herrscht, über Ballons nach A. Laurence Rotch, Direktor des Blue Hille-Observatoriums (Amerika), folgende Vorteile:
- Sie sind billiger und das Risiko bei Verlusten daher geringer.
- Ihre Höhe kann durch Triangulation genau bestimmt werden, was bei einem Freiballon selten ausgeführt werden kann.
- Die Thermometer sind gut untergebracht. Nicht nur ihre Ventilation ist besser als in einem Freiballon, sie sind auch nicht beeinflußt durch die strahlende Wärme des erhitzten Gassackes. Weiterhin gestatten während des Aufstieges und Abstieges zum Zwecke der trigonometrischen Höhenbestimmung gemachte Pausen die Anpassung der Instrumente an die sie umgebende Luft; der schnelle Flug eines Freiballons durch die Luft hat zur Folge, daß die beim Aufstiege erhaltene Temperatur höher ist, als die in gleichen Höhen beim Abstiege bestimmte. Bei Drachen fallen beide Temperaturreihen, graphisch dargestellt (plotted), nahezu in diejenige Linie, welche dem adiabatischen Temperaturgefälle entspricht, wenigstens unterhalb der Wolkenhöhe (cloud level).
- Auf- und Abstiege können in kurzen Zwischenräumen gemacht werden, so daß die Zustände verschiedener Luftschichten nacheinander und fast gleichzeitig erhalten werden.
- Die Aufzeichnungen erhält man in einer relativ senkrechten Linie über der Stationsbasis, die mit ununterbrochen tätigen Registrier-Instrumenten versehen werden kann. Infolge der zeitweisen Pausen können die Drachenaufzeichnungen bei genau bestimmten Höhen eingehend mit den an der Erde gemachten Aufzeichnungen verglichen werden. Die unter vier und fünf angegebenen Methoden gestatten, die täglichen und nicht periodischen Änderungen in verschiedener Höhe der Luft und auf dem Erdboden zu studieren, wie Mr. Clayton es getan und im Bulletin Nr. 2 of the Blue Hill Observatory unter dem Titel »Beispiele der täglichen und zyklonischen Änderungen der Temperatur und relativen Feuchtigkeit verschiedener Höhen der freien Atmosphäre«, veröffentlicht hat.
2. Verschiedene Drachenkonstruktionen.
A. Eddy-Drachen.
Jedermann kennt den typischen Drachen, womit unsere Knaben sich besonders zur Herbstzeit vergnügen. Tiefer Sinn liegt oft im kindlichen Spiele, bewahrheitet sich auch bei dem Drachen.
Heute ist der Drache aus den Kinderhänden in die der Gelehrten übergegangen und hat seine Form hundertfach variiert.
Im Folgenden will ich nur einige der bekannteren Typen kurz beschreiben.