Der Bauer schlief, denn er war um zwei Uhr in der Nacht aufgestanden und mit dem Drilling und Söllmann, dem Schweißhunde Freimuts, losgegangen, weil er vermutete, daß hinten im Moor gewildert wurde. Er war erst gegen Mittag nach Hause gekommen und hatte sich dann lang gemacht.

Aurelie sagte sich, daß die Gelegenheit günstig wäre, die dicken Trümpfe auszuspielen.

Sie zog ihre süßesten Strümpfe und ihre zuckrigsten Schuhe an, ein Spitzenhemd und ein Korsett, wie es das weit und breit nicht gab, und einen Unterrock, der gerade so lang war, wie er sein sollte, machte sich ihr Haar so hübsch wie möglich, gab ihren Augen durch ein wenig Antimon noch mehr Feuer, sah sich lange im Spiegel an, machte sich einen Knix, langte ihren Handspiegel her, besah sich von hinterwärts, und dann setzte sie sich auf den Bettrand und wartete.

Sie mußte sehr lange warten, so lange, daß ihr allerlei dumme Gedanken kamen, Gedanken, die nicht gerade geeignet waren, ihren Augen helleren Glanz und ihren Backen mehr Farbe zu geben. Sie wurde müde, aber sie wagte nicht zu schlafen, einmal der wunderbaren Haaraufmachung wegen, und dann überhaupt und so.

Sie sah ihr Photographiealbum durch, in dem meistens aufgedonnerte Mädchen mit weit aufgerissenen Augen zu sehen waren, und Männer unterschiedlicher Art, ordnete den Inhalt ihres Reisekorbes, in den sie niemals einen Menschen hineinsehen ließ, und las schließlich zum soundsovielten Male in den gelben Heften, auf deren Vorderblatt ein Männerkopf mit rabenschwarzen Locken zu sehen war, worunter die Worte standen: Memoiren eines Scharfrichters oder das Geheimnis der Gräfin Olga.

Auf einmal sprang sie auf; sie hatte gehört, daß im Fleet Schritte gingen. Sie trällerte ein Liedchen vor sich hin, warf einen Blick in den Spiegel, rumpelte einen Stuhl hin und her, zupfte sich eine Locke zurecht, rieb sich unter den Augen umher, die vom langen Warten Fensterladen bekommen hatten, warf noch einen Blick in den Spiegel, übte schnell einen züchtigen Augenaufschlag ein, ergriff die Blechkanne und schoß in demselben Augenblick, als die Schritte des Mannes ihrer Tür gegenüber waren, heraus und Volkmann mitten vor den Leib.

Die Kanne fallen lassen, einen gellenden Jungfernschrei ausstoßen und gleich hinterher den Atem anhalten, so daß etwas ähnliches wie Schamröte ihr Gesicht färbte, die runde Hand an das Korsett pressen, doch so, daß die schöne Hemdenspitze nicht verdeckt wurde, und dann mit wildem Busengewoge nach Atem ringen und schmachtend jappend: »O, Herr Volkmann, wie hab' ich mir doch verschrocken; daß Sie mir auch so sehen müssen!« das war alles eins.

Der Bauer aber änderte sein Gesicht kein bißchen und liebelte nur den Hund ab, der vor Schreck zurückgefahren war, als ihm die Kanne vor der Nase hinknallte; gleichgültig sah der Mann auf die sorgfältig hergestellte Pracht, und während Aurelie Grimpe in ihre Kammer zurückschoß, schnitt er für sich und den Hund Brot und Speck ab, wickelte es ein, steckte es in die Tasche, langte den Drilling von dem Rehgehörn am Türrahmen und ging über den Hof.

Als er im Grasgarten war, blieb er stehen, denn im Apfelbaum saß der Wendehals, schrie nach der Schwierigkeit und drehte den Hals wie albern. Und da mußte der Bauer im Halse lachen, denn es fiel ihm ein, welche Mühe die gute Aurelie sich seit Wochen um ihn mit Augenverdrehen und Halsverrenken gegeben hatte, just so wie der Wendehals, der in dem Apfelbaume saß.

Aber dann ging das Lächeln aus seinem Gesichte fort. Das Weibsstück war ihm längst zuwider, einmal wegen ihrer schwarzen Kraushaare, dann wegen ihrer Anschummelei, und außerdem wußte er, was mit ihr los war, denn als Freimut sie das erstemal sah, hatte er hinterher in der Haide gesagt: »Mann, wie kommt dieses Besteck hierher? Ich dachte, die hätte der Satan längst lotweise geholt. Aurelie Grimpe, geborene Sziembowska aus Filehne, eheverlassene Juckenack und eheentlaufene Grimpe, unter dem Übelnamen die Gräwin weit bekannt an den Stätten, wo die Orchideen der Nacht wachsen, mehrfach wegen Begünstigung der Kuppelei hineingerasselt und wegen schweren Kuppelpelzhandels leider freigesprochen. Backt ihr eine Zehnpfennigmarke auf und schickt sie als Muster ohne jeglichen Wert dahin, wo der spanische Pfeffer wächst, denn das Weibsbild taugt in dem Grund nichts!«