Lüder dünkte das sonderbar, denn Dettmer hatte viel Freude an der Landwirtschaft, und so fragte er: »Willst du denn studieren?« Da hatte der Junge ihn groß angesehen: »Studieren? Wo ich doch Hoferbe bin! Aber ich will überall mitreden können, denn der Pastor sagt, was einer lernt, ist gleich, wenn er nur etwas lernt; wer gut Latein kann, der wird auch seinen Hof gut im Stande halten.«

Am andern Tage fuhr der Bauer mit seiner Frau nach Hülsingen; sie aßen in demselben Kruge, wo sie an dem Tage gewesen waren, als die Schlange sie zusammengeführt hatte.

Der Haidbrink, auf dem Lüder, der Landstreicher, damals gelegen hatte, als er auf Ramaker wartete, war fast noch so, wie an jenem Tage, nur daß die Haide höher war und die Zweige der Birke bis auf die Erde hingen. Der Ortolan sang nicht, denn er war noch nicht wieder da, aber auf dem Brombeerbusche unten an dem Brinke saß der Goldammer und sang sein friedliches Lied, und über dem Postbruche kreiste der Brachvogel und rief laut.

Holde ging zu dem Machangelbusche, bei dem sie Lüder zuerst gesehen hatte; sie wollte sich einen Zweig zum Andenken mitnehmen. Der Bauer sah dorthin, wo der Brachvogel sich mit abnehmendem Rufe niederließ.

Die Füße fest auf der Heimaterde, aber die Gedanken darüber; so soll es sein, dachte er. Und dann sah er dorthin, wo vor dem dunklen Busche das blonde Haar der Bäuerin in der Sonne leuchtete, und er dachte daran, was er gewesen war, ehe er sie gesehen hatte, und was er jetzt war.

Er dachte an seine Verfehlung und die Strafe, die dafür über ihn gekommen war und daß er ohne beide sich wohl niemals auf sich selber besonnen hätte, sondern mit der Zeit abgestanden und schal geworden wäre, wie so mancher treffliche Mann in dem Wirrwarr der großen Stadt.

Seine Frau kam den Hügel hinauf, hing sich in seinen Arm und sagte, indem sie den Geruch des Machangelzweiges einatmete, den sie in der Hand hielt: »Man sagt, Kreuzottern seien böse Tiere; die mich damals gebissen hat, war gut; Ramaker hätte sie nicht totschlagen sollen.«

»Ja, Holde,« pflichtete ihr Mann ihr bei, indem er sie an sich zog, »das ist wohl so, es sieht manches wie ein Unglück aus und nachher wird es uns zum Segen!«