Auch andere Tiere lassen sich da sehen. Dicke, große Wühlmäuse huschen scheu aus dem Efeu und plumpsen in das Wasser; eine fuchsrote Ratte hastet über das Laub und sucht nach jungen Vögeln, bis das Raubwiesel ihr mit einem Satze in das Genick springt und sich von ihr unter die Wurzeln der Erle schleppen läßt, wo der grimme Kampf ein Ende findet, der Kampf, in dem das Wiesel Sieger bleibt.

Scheint die Sonne auf das Wasser, dann fahren langbeinige, dünnleibige Wanzen darüber hin in merkwürdigen Zuckungen, oder blitzblanke kleine Käfer drehen sich dort im Kreise, bis ein plumpsender Fall sie verjagt. Die Wasserspitzmaus ist es. Jetzt rennt sie, einem Quecksilberklumpen ähnelnd, auf der Sohle des Grabens entlang, taucht als schwarzer Klumpen empor, zieht lange blitzende Streifen durch das Wasser, huscht auf das Ufer, hastet zwitschernd an ihm entlang und verschwindet plumpsend wieder in dem Wasser.

Wo die Esche ihr krummes Wurzelwerk aus dem Ufer reckt, da gähnt ein schwarzes Loch. Ab und zu verschläft der Iltis den Tag dort, neben sich unglückliche Frösche und Kröten, denen er das Kreuz zerbiß und die sich nun so hinquälen müssen, bis er sie gänzlich tötet und hinunterschlingt. Auch der Baummarder schleicht nächtlicher Weile hier entlang, die Waldmaus belauernd und nach der Brut von Rotkehlchen und Zaunkönig schnüffelnd, und mit viel Geraschel sticht hier der Zaunigel nach fettem Gewürm.

Unweit des Ufers steht ein Rotbuchenstumpf, breit und bequem. Wer ihn als Sitz erwählt und sich recht still verhält, der kann allerlei erspähen, Lustspiele, idyllische Szenen und ergreifende Trauerspiele, schlimmer als die der menschlichen Gemeinschaft. Hinter dem dichten Efeugeflechte zittern der jungen Goldammern hungrige Stimmchen hervor. Vorsichtig lockend naht sich die Mutter, ein Räupchen im Schnabel haltend. Da zickzackt ein Schatten über den Graben; ein Todesschrei erschrillt; fort stiebt der Sperber mit dem Goldammerweibchen in den Fängen, und eine Viertelstunde später greift er den Hahn, und die verwaisten Vögelchen zerfleischt in der Nacht die häßliche Ratte.

Ein Lustspiel ist es aber oder eine Posse, wenn die eifersüchtigen Blaumeisenhähne, fest ineinander gekrallt, als bunter Federball aus dem Haselbusch herabwirbeln und in das Wasser hineinfallen und naß und schwarz sich schnell von dannen machen, verfolgt von dem gellenden Gelächter des Zaunkönigs und dem spöttischen Gekicher der Bergbachstelze, oder wenn die Waldmaus, in den Genuß eines fetten Käfers vertieft, nicht bemerkt, daß der dicke Frosch immer näher an ihre zuckende Schwanzspitze heranrudert. Auf einmal schnappt er zu, die Maus quietscht auf und fährt in das Efeulaub, und mit einem dummen Gesicht glotzt der Frosch hinterdrein und wischt sich ärgerlich das breite Maul. Auch ist es zum Lachen, wenn die nackte schwarze Schnecke, nachdem sie die höchste Spitze des Schaftheuhalmes erklommen hat, darüber noch hinaus will und sich streckt und reckt und dreht und windet eine halbe Stunde lang, um endlich ihren Plan aufzugeben und langsam den Rückweg einzuschlagen.

Idylle sind es, wenn Rotbrüstchen, Zaunkönig und Bachstelze ihre flügge Brut in das Leben einführen. Das schnurrt und burrt durcheinander, schwankt unglücklich auf dünnem Ast, flattert plump in das Laub, klettert mühsam wieder empor, bis schließlich alle Geschwister müde und matt eng aneinandergepreßt auf einem Aste sitzen, wie Kinder auf einer Bank, dumm und ängstlich hin und her kucken und unaufhörlich nach Futter piepsen. Wenn aber erst die Wasserspitzmaus ihren Jungen das Schwimmen und das Tauchen und die Käferjagd zu Wasser und zu Lande beibringt, dann staunt sogar der Zaunkönig über das Gewimmel, trotz seiner acht Kinder, die doch auch allerlei Leben verursachen.

Großen Lärm aber gibt es, fällt es dem Häher ein, sich hier sehen zu lassen. Und wenn er auch vorgibt, er wolle sich Würzelchen aus dem Ufer hacken für sein Nest, oder einen Schnabel voll Wasser mitnehmen, man kennt ihn zu gut, den bunten Heimtücker, und von allen Seiten wirft man ihm Schimpfworte an den dicken Kopf, bis er wütend abzieht. Kommt aber das liederliche Kuckucksweibchen angeschlüpft, um ihr Ei in die Obhut von Bachstelze oder Rotkehlchen zu geben, dann ist das Gekeife noch ärger, und schließlich setzt es auch Hiebe; aber alljährlich kommt hinter der Efeuwand ein junger Gauch hoch, und alles, was von kleinem Vogelvolk am Graben wohnt, fühlt sich verpflichtet, den Immerhungrig und Nimmersatt vollzustopfen.

Im Wasser selbst geht es auch nicht immer friedlich zu; denn gar streitbare Gesellen, schwer gepanzerte, trefflich gerüstete Stichlinge mit scharlachnem Brustlatz, mutige Gesellen, herrschen da unten. Wehe der armen Kaulquappe, die sich vom Strande in das tiefe Wasser wagt: ein Dutzend der Raubritter stoßen darauf zu, zerren das hilflose Tier hin und her und reißen es in ein Dutzend Fetzen. Auch ein Regenwurm, der aus Unvorsichtigkeit in das Wasser gerät, muß unter den Bissen der winzigen Fische sterben, und wenn er sich noch so sehr krümmt. Kaulquappe und Wurm rächt dann wieder die Wasserspitzmaus, die Stichlinge in die Bucht treibend und ihnen das Genick zerbeißend.

Außer den Stichlingen leben noch andere Fische in dem Graben: die graue Schmerle, die sich gern in den Blechtöpfen versteckt, die auf dem Grunde des Grabens rosten, und der buntgestreifte Schlammpeitzger, der sich im modernden Laube verbirgt. Wer gute Augen hat, findet im Mai an den überspülten Steinen auch ein fingerlanges Fischchen hängen, das Bachneunauge, dessen wurmähnliche Larven im Sande der Grabensohle eingebohrt leben. Auch eine Quappe oder ein Gründling verirrt sich wohl aus der Wietze in den Graben.

Stets sind einige Taufrösche dort zu finden, die faul an dem Ufer sitzen, oder eine Erdkröte, die langsam unter dem Efeu herkriecht, und auch die flinke Kreuzkröte läßt dort ihr Geschnarre hören. Früher, als noch nicht jedes Tierchen für das Aquarium oder Terrarium fortgefangen wurde, kamen auch Waldeidechsen und Blindschleichen hier vor, und sogar die Ringelnatter betrieb dort die Froschjagd mit großem Eifer.