Die Gewinnung des Öls ist recht einfach. Wenn das Bohrloch bis zur nötigen Tiefe niedergebracht und mit Eisenröhren ausgekleidet ist, wird die Pumpe aufgestellt, das Becken herbeigebracht; die Dampfmaschine setzt die Pumpe in Bewegung, und dann läuft das dickflüssige braune Öl in fortwährendem Strahle in das Becken, in dem es durch ein Schlangenrohr vermittelst heißer Dämpfe entwässert wird. Dann ist es zum Gebrauch fertig und wandert in Fässern nach Celle und Schwarmstedt und von dort auf der Bahn als vielbegehrtes Schmieröl nach den Industriebezirken von Hannover, Westfalen und Rheinland.

Der Ölreichtum jener Gegend war den Heidebauern schon seit Jahrhunderten bekannt. Auf natürlichen Heidetümpeln, den »Fettlöchern«, sammelte sich das Öl als braune buntschillernde Schicht, wurde abgeschöpft und als Wagenschmiere benutzt. Man grub auch an sehr ölhaltigen Stellen den Sand aus, wusch ihn in Bottichen aus und schöpfte das Öl ab.

Bei den Bohrtürmen liegt ein Teich, der lebhaft an unsere Vorstellungen vom Toten Meere erinnert. Den nackten gelben Sand schmückt keine Spur von Vegetation, nur unverwüstliche Binsen starren düster aus der braunen Flut. Nußgroße, dunkelbraune Öltropfen schwimmen auf dem Wasser, dicke Klumpen quellen vom Grunde des Tümpels empor, und in den Buchten lagern auf der Wasseroberfläche schwere, braune Ölschichten, bunt in der Sonne schillernd, oder klebend auf dem feuchten Sande. Massen von toten und sterbenden kleinen und zollangen Schwimmkäfern bedecken die Wasserfläche; das schmierige Öl hat die zählebigen Insekten erstickt, die hier zuflogen.

Die flache Gestaltung der Heide begünstigt neue Entdeckungen nicht; keine Gesteinswand, kein Bodendurchschnitt gibt der Industrie einen Wink. Daß aber das Gebiet zwischen Peine und Verden an der Aller bei planmäßigen Bohrversuchen noch manches andere Öl- und Salzlager darbietet, davon sind kundige Geologen jetzt schon überzeugt.


Einsame Heidfahrt.

Nordwestwind pfiff über das Heidland, veranlaßte die ernsten Fuhren durch sein ungestümes Kosen zu unwilligem Gebrumm und die starren Machandelbüsche zu ärgerlichem Kopfschütteln, ließ den Landstraßenstaub sich in Kringeln drehen und erlaubte es den hunderten von himmelblauen Faltern, die im Heidekraute hin- und hertaumelten, nicht, fröhlich um die ersten Doppheideblüten zu tanzen. Ab und zu warf mir der neckische Gesell eine Handvoll Staub in das Gesicht; aber er entschädigte mich wieder dadurch, daß er mir gleich darauf den betäubenden, süßen Duft der Lupinen zufächelte, deren schweres Goldgelb die braune Heide unterbrach. Wie ein Hund die Schnuckenherde mit heiserem Gebell vor sich hertreibt, so hetzte der Wind graue Wolken nach Südost, und wenn eine Herde vorüber war, dann leuchtete blauer Himmel aus dem Grau, und stechend sengte die Sonne herunter. Dann erklang das Summen der fleißigen Immen lauter, dann tanzten die verschüchterten Bläulinge lustiger um die rosigen Heideglöckchen, die Sandammer ließ dann fleißiger ihr müdes Liedchen ertönen, und die Heidlerchen, die unsichtbaren Sänger der Heide, belebten mit froheren Strophen ihren einförmigen Singsang, bis eine neue Wolkenherde, einen dicken, schwarzen Widder an der Spitze, sich vor die Sonne drängte und die Heide wieder ihr trübes Aussehen gewann.