Eine Stunde fahren wir schon. Näher kommt uns schon der Weyerberg mit seinem dunklen Baumgrün und seinem hellen Dünengelb, mit seiner Mühle und seiner Kirche und mit dem klobigen Malerhaus. Aber in der Nähe, da blitzen silbern die Binsenstiele über der Flut, schwenkt der Kalmus seine gekräuselten Blätter, schaukeln sich Mummelblätter und nicken rosige Dolden über weißen Blumenrispen, zucken des Rohres Fahnen. Auf den Altwässern schnattern die Enten zwischen den weißen Nixenblumen; über die Wiesen gaukeln die Kiebitze, schweben die Sprähen, und eine silbergraue Seeschwalbe begleitet uns ein Stück Weges, bis sie umkehrt und weiter reviert, immer auf und ab den Fluß.

Und immer Segel auf Segel, Grün an Grün, noch eine Stunde lang, und dann ein Marsch durch Staub und Sand, und Rast unter den Linden Worpswedes, wo es lebt und webt wie in der Stadt, von Wagen und Stadtmenschen.

Noch ein Stündchen Schlendern über dürre Dünen, Ausschau auf das unendliche Moor, ausgestreckt im rosigen Heidkraut, umschwirrt von Libellen, umgeigt von Heuschrecken, und dann den staubigen Weg hinunter, daß es hinter uns mülmt, wie hinter Schäfer und Herde, zu unserm Torfschiff.

Und nun sprecht wieder nicht, bis wir an Land sind! Laßt den Kiebitz rufen und die Möwe kreischen, bis sie alle übertönt des Reihers heiserer Schrei, der breitflüglig in das Abendrot rudert.

In andere Töne kleiden sich jetzt Wasser und Wiesen, Weite und Nähe. Gespenstiger noch sehen die schwarzen Segel vor uns aus, verlassener noch klingt des Viehes Gebrüll.

So schwer, so satt, so fest ist die Landschaft, die so lustig war und so hell und so leicht in der Mittagsglut. So verstohlen klingt das Geplätscher der Wasser, so heimlich das Flüstern des Schilfes. Unzerstörbare Ruhe, mächtiger Frieden erfüllt das Land. Des Reihers Ruf, der Enten Schrei, auftauchend und verhallend, verschärfen die Stille nur, und die hellen, nickenden Blumen am Ufer, viel märchenhafter scheinen sie uns jetzt.

Nicht sprechen! Das paßt nicht zu dem Blaugrau des Himmels, zu den sanften Gluten am Himmelsrande, zu der leisen Flut und der lauen Luft, zu dem einsamen Abendstern vor uns, zu den goldüberschienenen Fluttümpeln, in denen schwarz und starr die Binsen stehen, zu den Fledermäusen, die im Zickzack uns umkreisen, zu den fernen, stillen Segeln, die immer mehr in die schwarze Nacht hineinschwimmen, die uns immer näher rückt.

Schon hat sie am Himmelsrand die letzten Sonnenrosen gepflückt, schon die dunklen Bäume verhüllt und die Wiesen verschleiert; sie wirft ihre Schatten hinter uns auf die Flut, verdunkelt die Ufer und die Blumen und Büsche und rückt dicht an unser Schiff heran.

Und so treiben wir dahin. Ein schwarzes Segel führt unser schwarzes Boot auf schwarzer Flut zwischen schwarzen Wiesen. Und stumm und schweigend schauen wir hinauf nach dem einen goldnen Stern.