Das Tal der Lieder.

Über den Wolfskuhlen ging die Sonne zur Rüste und lachte zum Abschiede den hannoverschen Berg so herzlich an, daß selbst die ernsten Tannen freundlicher aussahen. Die grünen Buchen aber strahlten nur so.

Auf dem Wege, der sich als feuerrotes Band durch die Wiese zog, stiegen Frauen herab, tief gebückt unter den Traglasten von Leseholz auf ihren Rücken. Kinder, die Hände voller Blumen, sprangen ihnen singend und lachend entgegen.

Noch schlugen die Finken und pfiffen die Meisen; doch immer mehr kamen die Drosseln zu Wort hüben und drüben am hellen hannoverschen und dunklen braunschweiger Berge, und die Rotkehlchen mengten ihre süßen Lieder zwischen die lauten Klänge, zu denen der Teufelsbornbach im Grunde vergnügt die Begleitung brummte.

Da schallten klare Stimmen aus dem Walde heraus. Unter den Hängebirken her, die die rote Fahrstraße begleiteten, tauchte ein Trupp junger Kulturarbeiterinnen auf. Leichtfüßig trotz der derben Schuhe und der Rucksäcke und der anstrengenden Arbeit, die hinter ihnen lag, kamen sie daher und sangen, daß es nur so schmetterte:

»Hab' ich kein Geld auf dieser Welt,
Hab' ich einen Schatz, der mir gefällt.
Er ist so weit über Berg und Tal,
Daß ich ihn gar nicht sehen kann.«

Ich nickte ihnen zu. Lustig erwiderten sie den Gruß, ohne sich stören zu lassen; ja, mir wollte es scheinen, als hätten sie nur um so frischer weitergesungen, um mir zu zeigen, daß die Mädchen von Hellental die schönsten Stimmen haben weit und breit. Zehn verschiedene Stimmen waren es, und doch nur ein einziger Klang.

Ich sah ihnen nach, bis sie hinter der Wegkrümmung verschwanden, und als sie schon weit weg waren, hörte ich es noch schallen: