Die Spatzen lärmten, und die Schwalben zwitscherten, die Finken schlugen, die Drosseln pfiffen, und wieder war das ganze Hellental voll von Gesang und frohen Stimmen.

Ich zog dann auch bald hinaus bis dahin, wo das Tal endigte und der Bach in ihm in den Grund fällt, sah die Blumen winken und die Falter fliegen, hörte dem Rauschen der Buchen zu und den Vögeln, die in ihren Zweigen sangen. Aber ab und zu, bald hier, bald da, klangen frohe Menschenstimmen dazwischen; von hüben, von drüben kamen lustige und wehmütige Lieder herab in den Wiesengrund, und als ich zum Dorfe ging, schallten vor mir und hinter mir alte, schöne, liebe Weisen, die sich hier in diesem weltfernen Waldwinkel gehalten haben, aber anderswo meist schon längst vergessen sind.

Als ich in das Dorf hinein kam, kam mir voller Chorgesang aus der Kapelle entgegen, so schön und rein, wie ich ihn kaum je aus einer Dorfkirche hatte herausklingen hören. Und nachmittags kam das Paar, das nach der Kirche zusammengegeben war, daher. Der Bräutigam im hohen Hute und Kirchenrock, den Myrtenstrauß an der Brust, führte die Braut an der Hand, der der Kranz gut zu dem schwarzseidenen Kleide stand. Hinterher gingen die Brautführer, die weißgekleideten Brautjungfern im Arme, und die Verwandtschaft machte den Beschluß. Und alle sangen:

»Mir gefällt das Eh'standsleben
Besser als das Klosterzieh'n.
In das Kloster mag ich nicht,
Bin ja schon zur Eh' verpflicht',
Ja, Eh' verpflicht'.«

So zogen sie dahin in den grünen Berg nach alter Sitte, und alle Vögel sangen dem jungen Paar zu Ehren mit, so laut sie konnten.

Wie dieser helle Sonntag im Hellental anfing, so wurde er auch beschlossen. Wohin ich kam im grünen Walde, hallte und schallte es von Liedern. Abends aber versammelte sich das ganze junge Volk im Kruge; rund herum saß die Jungmannschaft und in der Mitte zwei Reihen blühender Mädchen, und Stunde auf Stunde klang die Stube von frischem Liederschall. Das ganz junge Völkchen aber, das just die Schule verlassen hatte und noch nicht in den Krug hinein durfte, stand draußen unter den Fenstern und sang die Lieder ebenso mit, wie im vorderen Zimmer die Ehemänner, nachdem ihnen die Karten langweilig geworden waren.

Am andern Tag hieß es Abschied nehmen. Aber die Räder des Wagens, der mich nach Dassel führte, und die der Eisenbahn, die mich heim brachte, sangen immer noch die Lieder aus dem Hellental mit, und heute noch ist es mir, als sähe ich die Kulturarbeiterinnen hinter den Birken auf dem roten Wege verschwinden, und ihre Stimmen, die singen in einem fort in mir:

»Im Sachsenlande, da bleib' ich nicht.
Die langen Kleider, die trag' ich nicht.
Die langen Kleider und die spitzen Schuh',
Die kommen keiner Dienstmagd zu.«