Dettas Augen wurden wieder heller. »Die Welt geht jetzt einen geruhigeren Gang,« dachte sie. »Und ist der Junge auch an der Reihe, daß das wilde Blut bei ihm hochkommt, Johann und ich, wir wollen schon dafür sorgen, daß es sich in Zucht und Sitte hält. Alle Mannsleute sind zuletzt von wilder Art, die besseren wenigstens.«
Sie dachte an ihren Jochen, der ihr anfangs fast zu gut vorgekommen war. Eines Tages jedoch hatte der Knecht den Rappen mit dem Forkenstiel über das Maul geschlagen; da hatte der Bauer aber losgelegt; wie ein Ungewitter polterten seine Worte über den Knecht her. Und da wurde der Knecht frech und machte eine ausverschämte Redensart. Es sollte ihn bald gereuen. Hehlmanns Augen wurden rund und blank; mit einem Griffe hatte er den Burschen bei der Brust, und ehe der es sich versah, lag er im Entenpump. Ganz voll von Entenflott kam er wieder heraus, nahm seinen Lohn, packte seine Sachen und machte, daß er weiter kam.
Der Fink im Garten sang immer und immer wieder dasselbe Lied und der Wigelwagel flötete in einem fort auf die gleiche Art. Und immer und immer wieder gingen die grünen Blätter und die weißen Blumen hinter den kleinen Scheiben auf und ab.
Der jungen Frau fielen die Augen zu. Aber mit einem Male seufzte sie auf und sah wild um sich. Sie sah nach der Wiege und dann hinter dem Traume her, der eben bei ihr gewesen war.
Da hatten auf einmal zwei Frauen bei der Wiege gestanden. Die eine, die mit dem braunen Gesicht und den Augen, so schwarz und blank, wie der Ruß am Rehmen, war aus dem Moore gekommen, denn sie roch nach Post.
Die andere, deren Gesicht wie Milch war, mit Augen, so blau wie Bachblumen, war über die Wiesen gekommen, denn von ihren Kleidern kam der Geruch von Gras und Blumen.
Sie standen bei der Wiege und besahen das Kind. Die Frau mit dem gelben Gesicht hatte gemurmelt: »Als wie ein Herr sollst du leben.« Dann machte sie das Hexenkreuz über dem Kinde und war verschwunden.
Die andere Frau aber machte über dem Jungen das Zeichen, das die Bauern vom Hehlenhofe seit unvordenklichen Zeiten als Hausmarke hatten, und flüsterte: »Und dein Knecht sollst du sein.« Dann war sie nicht mehr zu sehen.
Die junge Frau dachte nach. Träume sind Schäume, sagt der Pastor, und dann fiel ihr die alte Hermine ein, die so fest an Träume glaubte, daß sie ihr eigenes Begräbnis voraussagte.
»Mein Karl hat mich wissen lassen, ich soll Sonntag bei ihm sein,« hatte sie Freitag gesagt. Am Sonnabend Morgen lag sie tot im Bette.