Vielerlei Getier lebte da, Hirschböcke, Rehböcke und manchmal auch ein wildes Schwein. Der Habicht baute da und der Rabe und der schwarze Storch, und fast jeden Tag standen Reiher an der Beeke und im großen Moore gingen die Kraniche auf und ab, klappten mit den Flügeln und bliesen wie Janpeter Luhmann, der Schweinehirt.

Immer war es im Ruhhorn schön, trotz der Mücken und Gnitten und blinden Fliegen und der giftigen Addern. In der Bullerbeeke saßen Forellen, und wer sich darauf verstand, konnte sie leicht kriegen; in der Wittbeeke standen Hechte und wühlten Aale. Göde stellte Setzangeln, wie es ihm Tönnes Tielemann und Hein Gird Grönhagen, die Kleinknechte, beigebracht hatten.

Er ging nicht gern mit den Knechten, denn dann mußte er tun, was die wollten, und das war ihm nicht nach der Mütze; lieber ging er hinter den Kühen, weil er dann allein das Wort hatte.

Aber ab und an, wenn einer von den Kleinknechten eine andere Arbeit hatte, mußte er mit den Pferden zu Bruche, und dann lernte er jedes einzige Mal etwas Neues.

Tönnes war faul und saß schmökend bei seinen Setzangeln, Hein Gird aber stokelte überall herum und bald kam er mit einer Mütze voll Enteneiern an, bald mit einem jungen Reh, und in der Schummerstunde brachte er das dann nach seiner Mutter.

Das dauerte so lange, bis daß der alte Hagelberg, der Förster, sie dabei packte. Da mußten sie alle drei zum Vorsteher, und es gab einen heidenmäßigen Krach, als Göde mit der Sprache herauskam und sagte, daß Tönnes und Hein Gird ganze Mützen voll Enten- und Birkhuhneier und viele Aale und Hechte und Hasen und auch ein junges Reh nach Hause geschleppt hatten.

Kein eines Mal hatte Göde seinen Vater so wild gesehen: »Junge,« hatte er gerufen und war ganz rot unter den Augen geworden, »machst du mir solche Schande! Vor dem Vorsteher stehen, wie ein Vagabunde, der an fremder Leute Eigentum gegangen ist! Die Fischerei in den beiden Beeken ist dem Müller und die Jagd ist herrschaftlich. Du kannst heilsfroh sein, daß ich mit dem Droste gut stehe, sonst geht es dir, wie den beiden Unduchten, dem Tönnes und dem Hein Gird: die sind jeder zu zehn Peitschenhieben verdonnert! Wenn sie heute Abend zurückkommen, sag' ihnen, sie sollen dir ihr Achterviertel weisen; da kannst du deine Freude an haben. Und das mit dem Bruche ist nun aus. Vom Montag ab gehst du zum Pastor in die Vormittagsschule. Und die Pistole gib auch her. Das Ding bringt dich bloß auf Dummerhaftigkeiten.«

Der Junge war weiß wie eine Wand geworden. Daß er nicht mehr in das Bruch durfte, das war schon schlimm, die Pistole mißte er auch nicht gern, und die Vormittagsschule, davon hielt er erst recht nichts; aber wenn er daran dachte, daß jetzt beim Vorsteher Tönnes und Hein Gird auf der langen Bank lagen und Humpelhinnerk weifte sie mit dem Haselstocke, daß es nur so brummte, da wußte er: wäre es ihm so gegangen, er hätte sich einen Strick gesucht und es gemacht wie Töde Döbke, der Schneider, als er unter das Schnapsverbot kam.

Ganz begossen stahl er sich ab und ging zu Ohm Jürn, der auf der Heide bei den Schnucken stand und an einem Strumpfe knüttete. Der freute sich, als er den Jungen kommen sah, über sein ganzes altes faltiges Gesicht, das so braun wie Ellernholz war, und hielt ihm eine Rede, eine große Rede für seine Verhältnisse, denn meist sprach er überhaupt nicht, höchstens brummte er so vor sich hin.