Der alte Pastor Rotermund sah nur von weitem so gefährlich aus, weil er so lang war und so dünn und weil ihm das weiße Haar über den Rockkragen hing.
So ging denn Göde in das Pastorenhaus, obzwar er sich da nicht so fühlte, als wie in der Schule. Einmal wehte da eine andere Luft; auf dem Hansburhofe ging es ja auch sinnig und anständig zu, aber bei dem Pastor war es, als wenn jeden Tag Sonntag war.
Obzwar daß die Frau Pastor eine Bauerntochter war und Schultern hatte, wie ein Mannsbild und meist Beiderwand oder Blauleinen trug und vor keiner Arbeit bange war, sie hatte etwas an sich, daß Göde jedesmal rot wurde, wenn er sie sah und den Hut noch einmal so tief abnahm.
Aber die Hauptsache war, daß er hier nicht die erste Violine spielte, wie in der Übermittagsschule bei Lehrer Mackentun. Walter Vodegel, der Sohn vom Doktor aus Ohldorp, nahm es zwar an Kräften mit ihm auf, aber er hatte eine Art, an ihm hinunterzusehen, die Göde für den Tod nicht ausstehen konnte.
Es hatte keine acht Tage gedauert, da waren die beiden aneinandergekommen.
Walter hatte Göde damit aufgezogen, daß er noch nicht einmal wußte, wer Pipin war, denn wenn der alte Mackentun den Jungens Lesen, Schreiben, etwas Rechnen und eine Menge Bibelsprüche und Gesangbuchverse beigebracht hatte, das schien ihm schon reichlich für einen Bauern- oder Häuslingsjungen.
Aus Niedertracht hatte Göde Walter gefragt, wieviel Vieh sein Vater habe, und ihn ausgelacht, als der ärgerlich sagte: »Wir brauchen keins; wir sind keine Mistbauern.«
Da hatte Göde gesagt: »Und wenn der Mistbauer schickt, muß dein Vater ihm für einen Gulden in den Hals kucken oder Mutter Griebsch beim Kinderholen helfen«, und das hatte den Doktorsjungen so falsch gemacht, daß er Göde eins hinter die Ohren schlug.
Göde wurde es heiß und kalt; es war der erste Schlag seit seinem fünften Jahre; es wurde ihm rot vor den Augen und es war, als hielte ihm jemand den Hals zu. So schrecklich sah er aus, daß Walter die Bank zwischen sich und ihn brachte.