Sie lachte und küßte ihn auf ihre verrückte Art. »Was für Stimmen kannst du noch? Das beste ist, am Tage machst du die Krähe, so ganz hell, mußt du wissen, wenn sie hinter dem Habicht her ist, und abends die Eule.« Sie machte den Mund auf und flötete: »Huhuu, huhuu, huhuu.«
Sie sah ihn mit ihren bunten Augen an, daß es ihm heiß über den Hals lief: »Ich glaube, du flötjest abends gar nicht. Um Uhre neun schläft auf der Mühle alles. Dann brauchst du bloß mein Kammerfenster aufzustoßen. Die anderen merken nichts, die schlafen alle nach vorne. Komm' gleich heute Abend!«
Göde kam. Er tat es nicht gern, aber er dachte daran, daß Miken um den Bock wußte. Heimlich stahl er sich aus dem Hause und heimlich stahl er sich wieder hinein.
»Junge, was hujahnst du in einem Ende?« fragte der Bauer, als sie bei der Morgenzeit saßen.
»Das kommt, weil daß er wächst«, sagte die Mutter und sah ihm nach, als er aufstand und dachte bei sich: »Bald ist er so lang, wie der Vater. Und ein ganz anderes Gesicht hatte er gekriegt. Ja, ja, aus Kindern werden Leute!«
Eines Morgens, als Göde einmal wieder übernächtigt auf dem Hofe stand und mit Meta sprach, sah er, daß sie nach seiner Schulter sah, ganz blaß wurde und wegging; auf seiner Achsel hing ein rotes Haar von Miken.
Meta ging ihm hinterher augenscheinlich aus dem Wege, und als sie ihm beim Frühstück gegenübersaß, sah er, daß sie rote Augen hatte. Er dachte aber nicht weiter darüber nach, denn sein Sinn war bei der anderen.
Bevor er am nächsten Morgen aber aus seiner Dönze ging, sah er erst seine Jacke nach, ob er nicht etwas mitgenommen habe vom Toten Ort, denn er hatte so das Gefühl, daß er sich vor Meta schämen müsse, wenn sie wüßte, mit wem er sich abgab.
Vor Meta nahm er sich überhaupt zusammen, mehr als vor Vater und Mutter. Das Mädchen hatte Augen wie eine Heilige, und wenn sie in der Sonne über den Hof ging, so leicht und so schnell, dann mußte er immer hinter ihr hersehen.