Unter dem hohlen Ufer, wo die Spuren des Otters im Lehmboden abgedrückt sind, ragt ein dicker Pfahl aus dem Wasser, von langen grünen Algen umwedelt. Die Fischer haben ihn dort eingerammt, um ihre Kähne daran anzuschließen, und dem Eisvogel damit einen Gefallen getan, denn gern sitzt er hier und wartet auf die Ukleis. Auch der großen braunen Waldlibelle steht der Pfahl recht. Ein Weibchen umschwirrt ihn, läßt sich dicht über dem Wasser an ihm nieder, unbesorgt, daß die leise spielende Flut ihm den Leib benetzt, und tastet unter dem Wasser mit der Hinterleibspitze an dem verrottenden, algenbedeckten Holze umher, bis es einen Spalt gefunden hat, groß genug, den Legebohrer aufzunehmen, durch den es Ei um Ei unter den Algenüberzug schiebt.

Lange dauert diese Arbeit, und anstrengend ist sie, und ermattet erhebt das Weibchen sich endlich, kriecht an dem Pfahle empor und schwingt sich endlich ab. Aber da blitzt es von dem Pfahle herunter, blitzt hellblau und goldgrün, und auf der überhängenden Wurzel des Ufers sitzt der Eisvogel und schlingt die Libelle hinunter, ihr dasselbe Geschick bereitend, das sie über viele lustige Fliegen und fröhliche Mücken, flinke Motten und schnelle Falter brachte.

Über dem Eisvogel aber in dem Gezweig der Espe raschelt und ruschelt es; da wehrt sich ein Libellenweibchen unter dem starken Griffe des Männchens, und vor ihm, blitzschnell dahinfahrend, wie zwei goldene Pfeile in den Abendsonnenstrahlen leuchtend, fährt ein anderes Paar dahin, Tod und Verderben unter den Mücken und Eintagsfliegen verbreitend, während weiter oben im Walde die blauen Edellibellen den Abendmotten nachstellen, bis sie sich zum Schlafen in die Kronen der Eichen schwingen.


Am Ufer

Aeschna viridis Eversm.

Es ist Abend geworden; rot und rund geht die Sonne über dem Walde unter, und der Spiegel des Sees färbt sich mit goldenen Lichtern.