Abb. 101. Pompeo Leoni, Grabmal Philipps II., Madrid Escurial.

Abb. 102. Längsschnitt durch die Gussform mit dem Wachsmodelle (nach Mariette). Text S. [80].

Von den früher aufgezählten Gusswerken ist durchgehends angenommen, dass sie mit Hilfe von Wachs geformt seien und die Annahme dürfte zutreffen; zweifellos verstand man aber, zum wenigsten schon im 18. Jahrhundert, auch wohl umfangreichere figürliche Modelle mittels Lehmteilformen ohne Verwendung von Wachs in Erz zu giessen, wie aus dem von P. N. Sprengel im Jahre 1769 in Berlin herausgegebenen Werke: Handwerke und Künste (5. Sammlung S. 81ff.) hervorgeht. In diesem Werke ist die Teilformerei in Lehm in folgender Weise beschrieben: ”Der Modellirer verfertigt ein Modell von Gyps oder Thon, das völlig die Grösse der künftigen Statue hat. Dieses Modell bestreicht man mit Oel und drückt es stückweise mit Lehm von neuem ab, dass alle Stücke zusammengesetzt inwendig eine Höhle bilden würden, die völlig die Gestalt des ersten Modells hat.... Alle Stücke müssen sich aber genau aneinanderpassen.... Mit diesen Stücken, die ein Zeichen erhalten, dass man sie wieder zusammenfinde, formt man jeden Theil der Statue besonders, z. B. die Füsse, die Arme, den Leib, und setzt alsdann alle Stücke zusammen. Die Dickte (d. h. die die künftige Metallstärke darstellende Schicht) machen die Giesser entweder von Wachs (Wachsausschmelzverfahren) oder... einige Künstler nehmen... statt des Wachses Lehm, und verfertigen mit dieser Masse die Dickte. Sie rollen nemlich den Lehm mit Rollhölzern, wie man den Teich zu den Kuchen rollt, und damit sie ihm eine gehörige Dicke geben können, die sich für jeden Theil der Statue schickt, so nehmen sie hiezu runde Hölzer mit Köpfen von verschiedener Stärke. Soll z. B. der Lehm ½ Zoll dick seyn, so ragen die runden Köpfe ½ Zoll über dem Rollholze selbst hervor. Diese dünnen Lehmblätter legt man statt des Wachses in die Stücke der Form, drückt sie gehörig ein, bestreut sie mit Asche und füllet gleichfalls den übrigen Raum mit Lehm aus. Kleine zierliche Stücke muss man aber doch von Wachs formen, weil der Lehm nicht in alle kleinen Fugen eindringt. Z. E. die Riemen von dem Reitzeuge und dem Panzer. Wenn alle Stücke trocken sind, so werden sie... durch Zapfen und Zapfenlöcher zusammengesetzt... Man muss aber dafür sorgen, dass beym Formen ein Loch an den Orten bleibe, wo man zur Haltbarkeit die schwebenden Theile durch Eisen mit den Hauptstangen (des Kerngerüstes) verknüpfen will.

Ist die Dickte von Lehm gemacht, so schneidet man sie vor dem Zusammensetzen weg, wenn der Kern befestigt (d. h. erstarrt) ist, und setzt blos den Kern und die Formstücke mit den angrenzenden Theilen zusammen. Man muss aber hiebey bemerken, dass die Formstücke die Anlage zum Mantel geben. Die Theile wurden zwar mit Lehm eingesetzt und verschmiert, allein schwebende Stücke muss man doch mit Draht oder auf eine andere Art unterstützen, dass sie nicht abbrechen. Ueber die zusammengefügten Formstücke, die, wie gesagt, statt der untersten (d. h. inneren) Lagen des Mantels dienen, wird Lehm geklebt, dem man... mit eisernen Bändern und Draht Haltbarkeit giebt. Die Guss- und Luftröhren werden... gehörig angebracht. Nimmt man beym Formen die Formstücke von den Theilen ab, so kann man bemerken, ob ein Theil (d. h. jeder Teil) seine gehörige Gestalt habe. Bey dieser... Art zu formen bleibt noch das Ausschmelzen des Wachses (das für die zarten Teile verwendet ist) und das Ausbrennen der Formen zu bemerken übrig, und beides bewirkt der Ofen unter dem Rost (auf dem die Form errichtet wird).“

Diese Darstellung dürfte im ganzen verständlich sein. Bei der Teilformerei fällt also die Gipshilfsform fort, die Gussform wird unmittelbar über dem Modelle ausgeführt. Alle Unterschneidungen müssen mit Hilfe oft sehr kleiner und zahlreicher Teilstückchen sogleich mit abgeformt werden, soweit man nicht etwa vorzieht, sie auszufüllen und erst durch den Ciseleur am Gussstück ausführen zu lassen. Das von Sprengel angegebene Verfahren, zarte und auch wohl unterschnittene Teile über Wachs zu formen, das nachher ausgeschmolzen wird — also eine gemischte Art der Formung — scheint im 19. Jahrhundert beim Bildsäulenguss nur ganz ausnahmsweise angewendet zu sein.