Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der Fundgrube des Weißen St. Andreas weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen und zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug« wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden, und fässerweise wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei verpflichtete Fuhrleute nach Meißen geschafft. Die Fässer waren umschnürt und wohlversiegelt. Die Erde durfte nicht außer Lande geschafft werden, ja auf der Zeche selbst bekam man sie kaum zu sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser durfte niemand ohne Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ausfuhr des weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe und im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege ließ Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen, um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher graben lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik.

Nach Schumann.

56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge.

a. Barbara Uttmann.

O rauhes Erzgebirge, von Sturm und Frost gewiegt,
Wohl klagt die Armut, weinend an deine Brust geschmiegt.
Doch reich wie du im Innern an stufigblankem Erz,
Schmückt dich auch, gottergeben, manch treues Menschenherz.

Doch all dein Seelenreichtum und all dein Herzenswert
In einer Frauenblume ward wunderhold verklärt.
Sie stieg aus deinen Gründen als tröstend mildes Licht,
Das um den Herd des Elends das Band der Liebe flicht.

Das Band der Menschenliebe: denn sieh, da Nächte lang
Sie still in Mitleidsthränen nach Kraft von oben rang,
Gott bittend, sie zu lehren ein Werk, das fromm und frei,
Die fleiß'ge Hand belohnend, der Armut Labung sei.

Sie, als sie stand früh morgens im kalten Kämmerlein,
Durch winterliche Scheiben umhaucht von Frührotschein,
Ihr dämmerdunkles Sinnen ward plötzlich auch zum Tag:
»Ich hab's, ich hab's gefunden, wenn Gott mir helfen mag!

Du blumiges Gewebe an dir, lieb Fensterlein,
Du bist der Hauch des Engels, der mir will gnädig sein!
Lehr' mich, gefrorner Odem, nachahmen dein Gewand –
Gewonnen sei den Bergen die Kunst vom Niederland!«

Und emsig, fromm und freudig regt Hand und Nadel sich.
Vergeblich mancher Anfang, umsonst wohl mancher Stich!
Doch endlich, fest und sicher, gelingt's dem treuen Fleiß.
Es ranken sich zu Blumen die Spitzen fein und weiß!